Makroökonom
Klaus Adam: Vom Euro-Tower in den Elfenbeinturm

In der Volkswirtschaftslehre findet ein Generationswechsel statt. In der Serie „Jugend forscht“ stellt das Handelsblatt die neuen Köpfe vor. Heute: Klaus Adam. Der Makroökonom wechselte erst vor zwei Monaten von der EZB in die Lehre. An seinem Forschungsprogramm will der Professor für Makroökonomie an der Universität Mannheim jedoch festhalten.
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FRANKFURT. Auf den ersten Blick passt Klaus Adam so gar nicht in die Schablone vom Ökonomen, der zurückgezogen in seiner Studierstube Gleichungen beackert, bis sie ihm endlich das gewünschte Ergebnis liefern. Der schlanke, hochgewachsene Mann wirkt mit seinen lebhaften Gesten und seinen immer fröhlich verschmitzt strahlenden Augen nicht nur jünger als seine 37 Jahre. Selbst im dunklen Anzug sticht er damit auf wissenschaftlichen Konferenzen unter seinen zumeist so gesetzt wirkenden Kollegen hervor.

Die Forschungsagenda von Klaus Adam dagegen kann es in puncto Abstraktheit und Komplexität problemlos mit der übrigen Zunft aufnehmen. Adam beschäftigt sich – kein Wunder für jemand, der bis vor kurzem bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gearbeitet hat – mit Geldpolitik und benachbarten Themen. „Optimale Geldpolitik mit Selbstbindung und einer Nullgrenze für den Nominalzins“ lautet übersetzt der Titel eines Papiers, das für seine theoretischen geldpolitischen Arbeiten typisch ist.

Doch derart formal aufwendige, aber abstrakte Papiere, die er während seiner vier Jahre in der Forschungsabteilung der EZB auch schon veröffentlichte, waren nicht das, was ihn an der Arbeit dort besonders reizte. In der Bank durfte und musste er konkreter werden und darlegen, was aus seinen Forschungen für die reale Politik folgte. „Man hatte das Gefühl, man kann etwas bewegen“, sagt er über seine Zeit im Euro-Tower in Frankfurt. Referate im kleinen Kreis, mit Teilnehmern aus der Führungsebene, bezeichnet er als die Highlights seiner EZB-Erfahrung. Dabei musste er nicht auf ein inspirierendes wissenschaftliches Umfeld verzichten. Ganz im Gegenteil: „Es gibt kaum einen Platz in Europa, wo so viele hochkarätige Forscher aus der ganzen Welt zu Gast sind“, berichtet Adam.

Wenn ihn solche Fragen der konkreten Wirtschaftspolitik nicht reizen würden, wäre er wohl in der Steuerberatungspraxis seines Vaters im heimischen Baden geblieben, oder er hätte Physik oder Mathematik studiert, wie er das zwischenzeitlich vorhatte. So aber studierte er Volkswirtschaftslehre. Für seine Promotion suchte er sich eine der besten europäischen Universitäten mit makroökonomischem Schwerpunkt aus: das European University Institute in Florenz.

Es war dann nur folgerichtig, dass er sich nach seiner Habilitation in Frankfurt bei einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Institutionen Europas bewarb.

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