Makroökonomie
Spinnen die Makroökonomen?

Wie weltfremd ist die traditionelle Makroökonomie? Rüdiger Bachmann, Assistenz-Professor an der University of Michigan, brichte eine Lanze für den ökonomischen Mainstream. Dessen Modelle seien weder so einfältig noch so schlecht, wie die Kritiker behaupten, schreibt Bachmann in einem Gastbeitrag für Handelsblatt.com.
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Der repräsentative Agent - ein komischer Kauz: völliger Durchschnitt, aber unendlich schlau, weiß alles, kann superschnell rechnen, und - zu allem Überfluss - lebt auch noch unendlich lange. Wenn das das Menschenbild der Makroökonomen ist, dann ist es ja auch kein Wunder, dass die Makroökonomie als Disziplin so schlecht dasteht, dass keiner Ihrer Vertreter die gegenwärtige Krise hat kommen sehen und dass von ihr keine wirklichen Antworten auf diese Krise zu erwarten sind. Frei nach Obelix: die spinnen, die Makroökonomen!

So oder so ähnlich lautet die Kritik am makroökonomischen Modellierungsstandard, die in den letzten Jahren von verschiedenen Richtungen auf den US-geprägten, ökonomischen akademischen Mainstream eingeprasselt ist und die Nicole Walter in ihrem kürzlich hier erschienen Handelsblatt-Artikel "Wir sind keine Supermänner!" sehr treffend zusammengefasst hat.

Da tummeln sich orthodoxe Erzkeynesianer, evolutionäre Ökonomen, feministische ÖkonomInnen und Econophysiker, um nur einige zu nennen. Letztere behaupten zum Beispiel, dass sich die Methoden der Physik eins zu eins auf menschliches Verhalten übertragen lassen und dass sich reale ökonomische Subjekte am besten in sogenannten agentenbasierten Modellen als mechanische Idioten (zero-intelligence) beschreiben lassen.

Ein vor einiger Zeit in der New York Times erschienener Gastkommentar des Econophysikers Mark Buchanan ("This Economy Does Not Compute"), fasst dieses Programm gut zusammen. Nicht selten ist diese substantielle Kritik dann gepaart mit einem fast paranoiden Verdacht, dass Ökonomen des Mainstreams sich irgendwie gegen die Heterodoxen - schon diese Terminologie ist irreführend, weil sie impliziert, dass der akademische Mainstream ein monolithischer Block sei; ein Blick in Greg Mankiws Blog belehrt schnell eines besseren - verschworen hätten und dass es neuen Ideen unmöglich sei, gut publiziert zu werden.

Walters Artikel erzählt ja die Geschichte eines unterdrückten Assistenzprofessoren, der gerne anders würde, aber nicht kann. Ganz abgesehen davon, dass es in der Wissenschaftsphilosophie längst ein alter Hut ist, dass ein gewisser Konservativismus eine notwendige Funktionsbedingung von allen Wissenschaften ist - da unterschieden sich die Naturwissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften überhaupt nicht -, geht in dieser Kritik einiges durcheinander: da werden von den Professoren Lux und Westerhoff heterogene Agenten, also wirtschaftlich Handelnde mit unterschiedlichen realen Eigenschaften, und ein Abschied vom repräsentativen Agenten gefordert; von den Evolutionären wie Ulrich Witt am MPI in Jena der Abschied vom Gleichgewichtsdenken; und dann gibt es noch die Kritik am rationalen, vorausschauenden Agenten, gerne von den Econophysikern vorgebracht. Unterschiedliche Heterodoxien betonen unterschiedliche Kritikpunkte, oft gesellen sich aber alle drei zueinander.

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