Manager-Netzwerk Der innere Zirkel der Wirtschaft

Neue Studien belegen, wie stark sich Wirtschaftsmacht bei wenigen Managern und Unternehmern konzentriert. Der Kern des deutschen Manager-Netzwerks ist seit fast 20 Jahren stabil. Sie kontrollieren die mächtigsten Firmen.
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Einer der ganz Mächtigen: Der Allianz Finanzexperte Paul Achleitner (r.) beaufsichtigt das Chemieunternehmen Bayer genauso wie den Autobauer Daimler. Hier mit Oliver Bäte (l.), Mitglied des Allianz-Vorstands und Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz. Quelle: dpa

Einer der ganz Mächtigen: Der Allianz Finanzexperte Paul Achleitner (r.) beaufsichtigt das Chemieunternehmen Bayer genauso wie den Autobauer Daimler. Hier mit Oliver Bäte (l.), Mitglied des Allianz-Vorstands und Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz.

(Foto: dpa)

KölnEssen, Leverkusen, Stuttgart – wenn die Aufsichtsräte und Vorstände von Deutschlands Topunternehmen tagen, ist der Ort jedes Mal ein anderer. Die Personen, die sich gegenüber sitzen, sind dagegen in vielen Fällen dieselben und dürften sich mittlerweile gut kennen: Die Manager Paul Achleitner, Ekkehard Schulz und Manfred Schneider etwa treffen nicht nur bei RWE zusammen, sondern auch bei den Sitzungen von Bayer.

Schulz ist zusätzlich an ein weiteres Aufsichtsrat-Gespann angebunden, weil er bei MAN mit Ferdinand Piëch zusammenarbeitet, der wiederum zusammen mit seinen Spezis Berthold Huber und Martin Winterkorn in den Gremien von Porsche, VW und Audi auftritt.

Es ist nur ein Ausschnitt der Verflechtungen deutscher Spitzenmanager, aber er zeigt klar: „Um einige der größten Dax-Unternehmen herum gibt es einen sehr eng verknüpften Kern von Managern, dessen Dichte auch über die Jahre nicht abnimmt“, sagt Thomas Lux, Professor für internationale Finanzmärkte an der Universität Kiel.

Wie Lux wenden immer mehr Wissenschaftler Methoden der Netzwerkanalyse auf ökonomische Verflechtungen an. Ihre Ergebnisse zeigen in einzigartiger Weise, wie sehr wirtschaftliche Macht auf einen kleinen, stabilen Kern von Akteuren verteilt ist. Das Phänomen betrifft nicht nur Aufsichtsräte, sondern auch einzelne, mächtige Unternehmen: Forscher aus Zürich brachten kürzlich ans Licht, dass weniger als 150 Konzerne erhebliche Teile der Unternehmenswelt kontrollieren – und lieferten damit ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker, die kleine Eliten als Strippenzieher globaler Entwicklungen vermuten.

Der Kieler Forscher Lux kommt in seiner aktuellen Studie gemeinsam mit seinen Kollegen Mishael Milakovic und Simone Alfarano zu dem Schluss, dass der Kern des deutschen Manager-Netzwerks seit fast 20 Jahren stabil sei – und die mächtigsten Unternehmen im Land kontrolliert.

„Das ist erstaunlich, weil es dem Gesamttrend widerspricht“, sagt der Ökonom. Denn insgesamt ist der Anteil von deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden mit Mehrfachmandaten zwischen 1996 und 2006 von etwa 25 auf 15 Prozent zurückgegangen. In jüngerer Zeit setzt sich der Trend fort: Für 2008 fand Lux bei deutschen Großunternehmen noch 281 Manager mit mindestens zwei Posten, 2010 waren es nur noch 251. „Das Netzwerk wird insgesamt loser“, sagt Lux.

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9 Kommentare zu "Manager-Netzwerk: Der innere Zirkel der Wirtschaft"

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  • Die pyramidale Hierarchien in der Wirtschaft sind m.E. eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg. Anders als in der öffentlichen Verwaltung braucht die Wirtschaft ein top to down, das auf die vergleichsweise wesentlich kürzeren Produkt- und Marktzyklen zugeschnitten ist. Selbst ein ausgeprägtes Task-Management stützt sich heute auf offene Feedback-Strukturen. Die Beibehaltung der pyramidalen Hierarchien sollte deshalb allgemein anerkannt und befürwortet werden. Dieses Verständnis schließt aber zwingend ein, dass nichts der optimalen Besetzung der Führungs- und Leitungsgremien entgegen stehen darf. Wegen dessen weitreichenden Einflusses auf den Erfolg ist dort eine permanente Bestenauslese unverzichtbar; Platzhirsche sind mitunter auch Hemmklötze. Während Personalauswahl in Publikumsgesellschaften (formal) funktioniert, haben es Personengesellschaften oder Einzelunternehmer schwerer: insbesondere in kleinen Unternehmen beschränkt sich deren Auswahlfeld häufig (freiwillig) auf die Familie. Vakanzen bei der Nachfolge können eine Folge sein. Von Aufsichtsgremien sollten wir ein langfristig orientiertes Engagement erwarten. Die Exzesse auf den Kapitalmärkten stellen diese Erwartung infrage. Besonders unglücklich werte ich die Stimmenmajorität von "Stellvertretern der Eigentümer" und "Stellvertretern der Stellvertreter" (Fondsgesellschaften dgl.). Von unserem Gesetzgeber wünsche ich Regeln, die Anleger langfristig und unternehmerisch engagiert an die Betriebe binden. Weiterhin sehe ich erheblichen Korrekturbedarf im Erziehungssystem. So werden m.E. die Kopfnoten (Fleiß, Ordnung, Betragen) unterschätzt. Dmit wird der Erziehungsrückstand verdrängt, obwohl die Belegschaft eines jeden Unternehmens ein arbeitsteilig organisiertes System ist. Die Klagen vieler Unternehmen über diesen Zustand müssen ernster genommen werden. Vergleichbar mit der Materialveredelung müssen wir unsere Heranwachsenden formen. Anderenfalls sind deren Aufstiegschancen begrenzt.

  • Solange bei diesen Treffen der gesellschaftliche Fortschritt nicht behindert wird und Konzerne sich in ihren gegenseitigen Abhängigkeiten abstimmen, sehe ich vorrangig den Vorteil einer stabilen nationalen Wirtschaft.

    Welche Rolle unsere Regierungssprecherin aus Templin spielt, war auf dem letzten G20-Pressefoto zu sehen, als der übergroße Sakrozy sich vor ihr aufpflanze und den Hosenanzug verdunkelte.

  • Und jetzt kann man die Studie zuende zitieren.Wie steht es mit diesen "Clustern von Strippenziehern" zur Politik?
    Haben diese Strukturen Einfluß auf mangelnde Durchlässigkeit in Politik und Wirtschaft?Man muß Naiv sein: Wer hier keine Interessenskollision erkennt!Für mich ein Armutszeugnis!Dazu kommen Familienclans die Ihren Kuchen brav übers Land verteilen.

  • Stimmt, dazu gab es schon Studien. Es ist bedauerlich zu sehen, wie Schmarotzer in diesem System von Gagen profitieren, die in keiner Weise mehr in Korrelation zu der erbrachten Leistung stehen. Ingenieure und Wissenschaftler mit Bestnoten von der Hochschule abgegangen verdienen nicht ansatzweise soviel, wie diese Klientel. Und das ist leider überall in der Wirtschaft zu sehen. Eine massive Einkommensspreizung, wo in gewissen Kreisen Millionen Euro ausbezahlt werden, während andere nur Brotkrümmel erhalten.

  • lies mal "Spielgeld-ein neues Wirtschaftssystem". Der Autor beschreibt, wieso, wie im Artikel beschrieben, diese Zusammenhänge den echten Wettbewerb behindern. Darüber hinaus schreibt er, wie mit einem neuen transparenten Geld- und Warensystem diese "Schiebereien" sofort beendet werden können. Das "Volk" muss sich selbst helfen... aus dem System selbst heraus wird es zu keinen Veränderungen kommen. Die Systemprofiteure schaffen sich ja nicht selbst ab:)

  • Was heißt da "neue Studien" ? Das ist doch seit vielen Jahrzehnten schon so...

  • @Eule
    Könnt ich auch damit leben! Bin Realist, und mein Statement sollte bewußt scharf ausfallen. Ich bin dabei.

  • Ein System ohne Schmarotzer wäre sicher wunderbar, ist aber illusorisch. Fürs erste wäre uns schon viel damit gedient, wenn wir eine funktionierende "Schmarotzer-Kontrolle" - also faire und gerechte Spielregeln für die Märkte und ihre Akteure - hätten. Diese 'Spielregeln´ kriegen wir auch nicht geschenkt, sondern müssen sie uns erkämpfen.

  • An zu viel Schmarotzertum geht jeder Wirt zugrunde. In Griechenland sind es zu viele Schmarotzer. Bei uns sind es zu mächtige in diesem Zirkel, die auch noch sehr effektiv zusammenarbeiten. Wir brauchen ein grundsätzlich neues System ohne Schmarotzer.

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