Marcel Fratzscher: EZB-Ökonom soll neuer Chef des DIW werden

Marcel Fratzscher
EZB-Ökonom soll neuer Chef des DIW werden

Der Nachfolger für den Spitzenposten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung steht so gut wie fest. Marcel Fratzscher kennt sich aus mit globalen Analysen. Und schon früh hat er eine schwere Finanzkrise erlebt.
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Berlin/LondonDer EZB-Ökonom Marcel Fratzscher soll neuer Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin werden. Diesen Vorschlag wird die Findungskommission dem Kuratorium machen. Das teilte das DIW am Dienstagabend mit und bestätigte damit eine Meldung des Handelsblatts. Die nächsten Schritte gelten als Formsache: Das Kuratorium wird zeitnah, vermutlich Anfang August, tagen und die Personalie formal beschließen. Anschließend beginnen die Berufungsverhandlungen mit Fratzscher. Derzeit leitet Gert Wagner das Institut als Vorsitzender des Vorstands.

Fratzscher leitet momentan in der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt die Abteilung International Policy Analysis (Internationale wirtschaftspolitische Analysen). Er zählt zu den derzeit forschungsstärksten deutschen Makroökonomen: Im Handelsblatt-Lebenswerk-Ranking liegt er auf Platz 38 von 250. Seit 2007 haben nur drei Volkswirte häufiger in Topjournalen veröffentlicht als Fratzscher. Sein Forschungsspektrum geht weit über die Geldpolitik hinaus – es erstreckt sich auf das gesamte Spektrum der angewandten Makroökonomie. Bei der EZB leitet er eine 30-köpfige Abteilung, die die EZB-Positionen in Sachen Weltwirtschaft und internationales Finanzsystem vorbereitet.

Fratzscher hatte sich zuvor bereits am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beworben – erfolglos. Der Oxford-Professor Clemens Fuest hatte am Ende die Nase vorn und wird 2013 Nachfolger von Institutschef Wolfgang Franz. Die einstimmige Entscheidung der Findungskommission zugunsten Fratzschers kommt überraschend: Im Vorfeld galt die Münchener Außenhandelsexpertin Dalia Marin als Favoritin.
„Marcel Fratzscher ist ein hervorragend ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, von dem neue Impulse für einen Ausbau der makroökonomischen Kompetenz des Instituts wie für die theoriegeleitete und empirisch fundierte Politikberatung zu erwarten sind“, sagte der Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup, der die Findungskommission geleitet hat.

Fratzscher hat in Kiel, Oxford und Harvard Volkswirtschaftslehre studiert. Anschließend ging er im Alter von 26 Jahren als Analyst für das Harvard Institute for International Development in die indonesische Hauptstadt Jakarta. In der Asienkrise Ende der 90er-Jahre beriet die Denkfabrik die dortige Regierung in Sachen Wirtschaftspolitik. In Indonesien erlebt Fratzscher hautnah, wie die Asienkrise im kurzer Zeit florierende Volkswirtschaften an den Abgrund bringt – eine Erfahrung, die ihn tief geprägt hat. „Ich habe in Indonesien erlebt, wie viel Schaden schlechte Wirtschaftspolitik anrichten kann“, sagte Fratzscher 2009 in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. 2001 fing Fratzscher bei der EZB an, seit 2009 leitet er die Abteilung, die politische Positionen der EZB zu globalen Ökonomie- und Finanzmarktthemen formuliert.

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Mitarbeiter hatten gegen den Kuratoriums-Chef gestichelt

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  • Seit 2001 bei der EZB und bereits eine Krise hautnah erlebt, hat er die Eurokrise offenbar verschlafen. Solche Experten braucht das Land.

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