Marken als Religion
Das Apple-unser

Fanatische Markenfans glauben an ihre Produkte und verehren ihre Designer. Forscher zeigen: Vielen gibt ein Markenprodukt den gleichen Halt im Leben wie die Religion den Gläubigen.
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DüsseldorfIm März 2012 wird sie endlich erscheinen, die erste autorisierte Biografie des Messias. „Ich würde lieber sterben, als das Buch nicht zu kaufen“, schreibt ein Anhänger in einem Fanforum. Die Rede ist von Steve Jobs, dem Gründer von Apple, dem wohl beliebtesten Computerkonzern der Welt. Es ist kein Zufall, dass der Titel seiner Biografie, „The Book of Jobs“, auf das „Buch Ijob“ anspielt, einen Teil der heiligen Schrift des Judentums.

Denn Apple-Jünger verehren Jobs wie einen Propheten und betreiben einen quasireligiösen Kult um seine Produkte. Wenn neue Versionen von iPhone oder iPad erscheinen, gehen viele von ihnen auf eine Art Wallfahrt und campieren vor den Apple-Shops. Als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft kleben sie Apfel-Aufkleber auf die Heckscheiben ihrer Autos – wie Christen den Fisch.

Was manchem wie Blasphemie erscheint, begeistert Marketingforscher: Gleich mehrere neue Studien beschäftigen sich mit den Parallelen zwischen dem, was Religionsgemeinschaften ausmacht und sich bei den Markenanbetern wiederfindet.

Für die Forscher ist das Phänomen relevant, weil nicht nur Apple, sondern auch andere Kultmarken betroffen sind: Das Kinderspielzeug der Marke Lego oder die Rockerräder von Harley-Davidson werden von vielen Käufern geradezu angebetet. Und selbst Fahrer der eher unscheinbaren Automarke Saab hätten ihm von bewegenden und sinnstiftenden Reisen in ihren geliebten Vehikeln vorgeschwärmt, berichtet der Chicagoer Marketingforscher Al Muniz, der für seine Studien regelmäßig Anhänger verschiedener Markencommunitys interviewt.

Bei starken Marken geht der empfundene Wert eines Produkts für die Käufer über die reine Funktionalität hinaus, so weit die gängige Marketingtheorie. Doch wenn Marken sogar spirituelle Gefühle auslösten, wäre das eine neue Qualität. Übernehmen die Marken bei ihren Verehrern Funktionen der Religion?

Schaut man den Menschen in den Kopf, sieht es tatsächlich so aus. So stellte der amerikanische Marketingguru Martin Lindstrom mit Hilfe von Experimenten in Kernspintomographen fest: Der Anblick bekannter Markenlogos löst bei Konsumenten die gleichen Hirnaktivitäten aus wie bei Nonnen, die man bittet, an Gott zu denken. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Untersuchung im Auftrag des britischen Fernsehsenders BBC: Der Anblick bestimmter Markenprodukte stimulierte dieselben Hirnareale, die religiöse Symbole bei Gläubigen aktivieren.

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Kommentare zu " Marken als Religion: Das Apple-unser"

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  • Endlich wird mal klar schwarz auf weiß bewiesen, dass es beim angegessenen Apfel nicht um "normale" Marketing-Strategien geht, sondern um sowas wie eine Sekte.

    Ich glaube die Meisten von den "Gläubigen" würden auch ein fast leeres Gehäuse mit einem Monitor, der bei Berührung kurz leuchtet, für 600 und mehr Euro kaufen, solange da ein angegessener Apfel drauf ist und es sonst noch gut aussieht. Funktionen und Preisgabe von irgendwelchen Daten an Dritte sind unwichtig.

    Ich glaube, das liegt mit daran, dass der Apfel nicht viel ankündigt, außer den Namen. Aber nichts von irgendwelchen Leistungen. Die Neugier und dass überall darüber spekuliert wird, treibt dann viele dazu, sich so eine Katze im Sack zu kaufen. Egal ob es das finanziell wert ist oder nicht.

  • Hallo,
    ach würde das Thema Obsoleszenz doch noch weit mehr beachtet werden.

  • Das mit den Fossil-Uhren meinen Sie doch nicht ernst?! Gehen Sie doch mal in Düsseldorf spazieren...

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