Martin Högl
Der Mannschafts-Forscher

Lohnt sich kollegiales Verhalten? Was macht ein Team erfolgreich? Um diese Fragen zu erforschen, setzt Martin Högl auf Teamarbeit. Der Professor an der WHU Vallendar leitet seinen Lehrstuhl für Führung und Personalmanagement mit flachen Hierarchien und setzt seine Erkenntnisse gern in der Praxis um.
  • 0

VALLENDAR. Wer den wissenschaftlichen Erfolg von Martin Högl verstehen will, muss sich nur seinen Leitspruch anhören: „Gute Forschung ist wie guter Mannschaftssport“, sagt der 39-jährige Professor. Teamarbeit schreibt er groß an seinem Lehrstuhl für Führung und Personalmanagement an der WHU in Vallendar. Manchmal färben Forschungsgebiet und Forscher eben aufeinander ab: Högls Interesse gilt der Frage, was Teams erfolgreich macht und wie sie ein Unternehmen voranbringen können. Er und seine Mitarbeiter scheinen auf jeden Fall zu diesen erfolgreichen Teams zu gehören, gemessen an der Zahl der Publikationen.

Zwölf Seiten lang ist die Liste mit Högls Veröffentlichungen inzwischen. Kürzlich fand er beispielsweise heraus, dass ein Team umso besser arbeitet, je seltener sich jemand von außen einmischt. Gleichzeitig steigt die Leistung einer Arbeitsgruppe, wenn alle Mitglieder den gleichen Einfluss haben und es wenig Hierarchien gibt. Zusammen mit seinen Kollegen hatte er dafür die Daten von 145 Softwareentwickler-Teams ausgewertet. In seinem letzten Forschungsprojekt ging es um die Frage, wie Unternehmen mit ihren Ressourcen und Innovationen in Krisenzeiten wie jetzt umgehen. Das Ergebnis: „Mehr Not allein macht nicht erfinderischer“, fasst Högl zusammen.

Seine Forschungsergebnisse publiziert Högl in den renommiertesten Journals und bringt es im Handelsblatt-Ranking der aktuellen Forschungsleistung auf Platz vier, auch wenn er – wie sollte es anders sein – immer im Team publiziert.„Mir ist die Qualität wichtig, und die ist einfach höher, wenn mehrere Autoren zusammenarbeiten“, ist Högl überzeugt.

Natürlich sei er ein guter Team-Player, urteilt seine wissenschaftliche Assistentin Miriam Müthel, die seit vier Jahren mit ihm zusammenarbeitet. „Er reißt die Führung nicht an sich, sondern lässt auch mal anderen den Vortritt.

Ob sich solch kollegiales Verhalten auch tatsächlich lohnt, hat Högl sicherheitshalber wissenschaftlich untersucht. Die Antwort: Ja, gute Zusammenarbeit in Gruppen kann viel bewirken. Gleichzeitig kann natürlich auch viel schiefgehen: Immer wieder stellte Högl fest, dass die beste Strategie nichts taugt, wenn es bei der Umsetzung hakt. Daher schaut er bei der Forschungsarbeit vor allem auf das Zusammenspiel auf der Projektebene, „da, wo die Arbeit gemacht wird“, wie er sagt.

Wie viele Stunden er pro Woche arbeitet, weiß Högl gar nicht, denn seine Projekte beschäftigen ihn rund um die Uhr. Schon morgens auf dem Cross-Trainer denke er über seine Forschung nach. Und zum Mittagessen trifft er sich am liebsten mit Kollegen aus benachbarten Forschungsfeldern, um ihnen seine Ideen vorzustellen.

Seite 1:

Der Mannschafts-Forscher

Seite 2:

Kommentare zu " Martin Högl: Der Mannschafts-Forscher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%