Master-Studium
BWL-Master: Puzzeln für Fortgeschrittene

Mit der Einführung der neuen Studiengänge ist in Deutschland verlassen die meisten Studenten die Universität als Bachelor. Mit neuen Master-Studiengängen wollen sich etliche Betriebswirte hinterher auf die internationale Arbeitswelt vorbereiten. Doch das Angebot in Deutschland ist begrenzt.
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KÖLN. Das sichtbarste Zeichen der neuen Studienabschlüsse ist für Michael Kleinaltenkamp die Anzahl der Studenten. "Als Diplomstudiengang war Betriebswirtschaftslehre (BWL) ein Massenfach", sagt der Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin (FU). "Die kleineren Masterstudiengänge werden nun für ein völlig anderes Arbeiten sorgen."

Die unter dem Namen Bologna-Prozess gestartete internationale Angleichung der akademischen Ausbildung vor allem innerhalb der Europäischen Union zeigt inzwischen auch auf der Ebene der weiterführenden Studiengänge Wirkung. Erstmals verlässt in diesem Jahr eine nennenswerte Anzahl von Studenten die deutschen Universitäten mit einem Bachelor-Abschluss. Damit sind sie qualifiziert für den Arbeitsmarkt - oder für ein weiterführendes Master-Studium.

Das Stichwort bei den neuen Studiengängen lautet "konsekutiv". So wird laut Bologna-Prozess ein kombinierter Studienabschluss bezeichnet, der aus einem Bachelor und einem darauf aufbauenden Master besteht. Dieser Master unterscheidet sich deutlich von dem üblichen weiterbildenden Master of Business Administration (MBA) der für angehende Führungskräfte mit mehreren Jahren Berufserfahrung reserviert ist - obwohl beide Abschlüsse im Zweifel sogar gleich oder sehr ähnlich heißen können.

Die Studenten unterbrechen also ihr Studium nach dem Bachelor-Abschluss nicht, sondern beginnen nahtlos ein weiterführendes - konsekutives - Master-Studium in derselben oder einer verwandten Fachrichtung. Organisatorisch und auch rechtlich handelt es sich aber um zwei unterschiedliche Studiengänge. Damit soll die Mobilität der Studenten gefördert werden und sollen die Universitäten in den Wettbewerb um die besten Bachelor-Absolventen treten.

Tabelle: Die Masterstudiengänge forschungsstarker BWL-Universitäten

Zurzeit sieht es allerdings noch so aus, als würden vor allem die Studenten in den Wettbewerb um die raren Master-Plätze treten. Denn die ersten Master-Studiengänge an BWL-Fakultäten entstehen gerade erst. Die großen Unis melden bereits im Schnitt sieben bis acht Bewerber pro zur Verfügung stehenden Master-Studienplatz. Der Grund: Mit der Einführung der neuen Studiengänge ist in Deutschland der Bachelor formal zum Regelabschluss geworden. Alles, was darüber hinausgeht - also auch ein konsekutiver Master -, gehört nicht mehr zur Grundversorgung und kann von den Universitäten mit deutlich geringeren Studentenzahlen geplant werden. Das Angebot für die ersten Bachelor-Absolventen ist also schmal.

Für viele Unis ist das durchaus spannend: Die geplante Größe der Master-Studiengänge beträgt zurzeit meist zwischen 50 und 150 Studenten pro Jahr, deutlich weniger als beim Diplom, wo es bei Massen-Unis teilweise 1 000 und mehr Studenten pro Kohorte gibt. "Das wird sich in einer spürbar höheren Qualität bei der Ausbildung niederschlagen", sagt FU-Professor Kleinaltenkamp.

Die Auswahl der Master-Elite erfolgt nach sehr unterschiedlichen Kriterien. An fast allen Unis wird ein Bachelor-Schnitt von 2,5 oder besser verlangt, hinzu kommen fast immer ein bestandener Englisch-Sprachtest oder Empfehlungs- und Motivationsschreiben. Auf lange Sicht könnte die zunehmende Zahl von Bachelor-Absolventen diese restriktive Vergabepraxis zwar noch aufbrechen, aktuell sind die Anforderungen jedoch bei allen großen deutschen Universitäten ähnlich hoch.

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