Megatrend
Globalisierungsmotor Bildung

„Lebenslanges Lernen“ ist weltweit zum Megatrend geworden – unabhängig von Wohlstand, Entwicklungsgrad und den Machstrukturen eines Landes. Ökonomisch und politisch war die Zeit reif, erklären Experten.

BIELEFELD. Wenn der Soziologe John W. Meyer gerade nicht über „Die globale Institutionalisierung der Bildung“ sinniert, besucht er mit seiner Frau eine Erwachsenenklasse und lernt alles über Singvögel. Meyer ist ein „Birdwatcher“: „Vornehmlich aus Freude an ihrem prächtigen Gefieder“, sagt er, „aber auch weil mir das Lernen wichtig ist“. Der 70-jährige Emeritus der Stanford University, im Sommersemester Niklas-Luhmann-Gastprofessor an der Universität Bielefeld, vollzieht somit aus individueller Anschauung einen sozialen Bildungstrend zum „lifelong learning“ nach, den er immer schon mit wissenschaftlicher Neugier begleitet hat, und zwar in globaler Perspektive.

In den entwickelten Staaten des Westens ist „lebenslanges Lernen“ sowohl ein ökonomischer als auch ein psychologischer Reflex auf die demographische Entwicklung. Denn in Zukunft werden wieder ältere Arbeitnehmer gebraucht, die gleichwohl fit für die Herausforderungen der Wissensgesellschaft sind. Und es werden sinnstiftende Lebensinhalte gebraucht „in einem neuen Jahrhundertgefühl der permanenten Unfertigkeit des Menschen“, wie es der Berliner Alternsforscher Paul B. Baltes ausdrückt und gleichzeitig fragt: „Lebenslanges Lernen nonstop?“

„Lebenslanges Lernen“, so beschreibt es die Weltbank, sei „unabdingbar, um die Arbeitnehmer in einer globalisierten Wirtschaft konkurrenzfähig zu machen.“ Zudem könne „lifelong learning“ auch den Zusammenhalt fördern, Kriminalität eindämmen und wirtschaftlichen und kulturellen Wohlstand anbahnen, indem es das soziale Verhalten der Menschen stärke.

In zahlreichen, empirisch belegten Einzelstudien wies Professor Meyer nach, dass es in allen Weltgesellschaften und -kulturen eine schier unaufhaltsame Expansion zur höheren und lebenslangen Bildung gibt, unabhängig vom jeweiligen Wohlstand, vom Entwicklungsgrad und von Machtstrukturen. „Überall in der Welt ist eine ähnliche Dynamik anzutreffen“, so Meyer.

Bildung bricht die Macht. Der Drang zur Bildung ist nur ein Beleg dafür, wenn auch der wichtigste und augenfälligste, „wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen“ (so ein Buchtitel Meyers). Die großen Verheißungen der westlichen Kultur – Vernunft, Individualität und Fortschritt – hätten in den vergangenen 40 Jahren erstaunliche Früchte getragen und spiegelten sich zum Beispiel in einer weltweiten Abnahme von Kinderarbeit wider und in einer Zunahme von höherer Bildung selbst in den Ländern Afrikas.

Das Rollenmodell für die Modernisierung geben zwar die europäischen und amerikanischen Bildungsprinzipien ab. Aber es kommt allmählich zu einer Verbindung nationaler Bildungssysteme hin zu einer Art globalem Bildungsapparat und schließlich „zu einer starken Internationalisierung der Bildungsinhalte sowohl in der allgemeinen als auch in der höheren Bildung und zu einer weiten Verbreitung der bildungsmäßigen Definition der Welt als gemeinsamer Menschheit und gemeinsamer Lebensraum“.

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