Meinhard Miegel gegen Jürgen Kluge Wirtschaftswachstum - Fluch oder Segen

Vordenker gegen Top-Manager: Bei einer Podiumsdiskussion streiten Meinhard Miegel und Jürgen Kluge darüber, ob nachhaltiges Wirtschaften nur mit - oder nur ohne Wirtschaftswachstum möglich sein wird.
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Der Unternehmensberater und Ex-Haniel-Chef Jürgen Kluge, der Bonner Wachstumsforscher Meinhard Miegel, Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann (v.r.n.l.). Foto: Jan Derksen

Der Unternehmensberater und Ex-Haniel-Chef Jürgen Kluge, der Bonner Wachstumsforscher Meinhard Miegel, Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann (v.r.n.l.). Foto: Jan Derksen

Kann die Wirtschaft ewig weiterwachsen? Und sollte sie es überhaupt? Spätestens seit der Club of Rome die Menschheit vor genau 40 Jahren mit seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ wachrüttelte, stehen diese Fragen auf der Tagesordnung. So auch beim Zollverein-Gespräch gestern in Essen, das regelmäßig von der Unternehmensberatung Accenture und dem Handelsblatt ausgerichtet wird:  Bei der Podiumsdiskussion trafen zwei Akteure aufeinander, deren Meinung unterschiedlicher kaum sein könnten: Der Publizist Meinhard Miegel, Vordenker der CDU und Vorsitzender der Stiftung „Denkwerk Zukunft“, und der Unternehmensberater Jürgen Kluge, früher Deutschland-Chef von McKinsey und bis dieses Jahr CEO beim Mischkonzern Haniel.

Jürgen Kluge war bis dieses Jahr CEO beim Mischkonzern Haniel. Quelle: dpa

Jürgen Kluge war bis dieses Jahr CEO beim Mischkonzern Haniel.

(Foto: dpa)

Für Miegel ist die Sache klar: „Die Art, wie die Menschheit wirtschaftet, überschreitet die ökologische Tragfähigkeit der Erde bei weitem.“ Derzeit würden die Ressourcen der Erde so stark ausgebeutet, dass die Menschen eigentlich anderthalb Planeten bräuchten, sagte der 73-Jährige vor rund 80 Zuschauern im Design-Museum auf dem Zollverein-Gelände. Würden alle so leben wie die Europäer, müsste es sogar mehr als zwei Globusse geben, bei den Amerikanern gar mehr als vier. Die zwangsläufige Folge des Raubbaus: „Wir werden bald kein Wachstum mehr haben können.“ Vorboten davon gebe es längst, so der Bonner Forscher  – in Form der seit Jahrzehnten rückläufigen Zuwachsraten.

Eine Darstellung, die Jürgen Kluge nicht so stehenlassen wollte: „Es stimmt, mit dem heutigen Stand von Wissen und Technik wäre weiteres Wachstum bald nicht mehr möglich. Doch Ihre Schlussfolgerung teile ich nicht“, so der ehemalige Manager an die Adresse Miegels: Er sei vielmehr überzeugt, dass die Menschen die Innovationen entwickeln würden, mit denen eine Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Wachstum zu schaffen seien.

Düstere Zukunftsvisionen wie die des Club of Rome krankten immer daran, dass sie die aktuellen Entwicklungen der Welt einfach linear in die Zukunft fortschrieben, meinte Kluge. „Damit kommt man dann ja zwangsläufig zur Katastrophe.“

„Es darf nicht zu schnell gehen“
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2 Kommentare zu "Meinhard Miegel gegen Jürgen Kluge: Wirtschaftswachstum - Fluch oder Segen"

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  • Da sollte man doch meinen, daß Malthus hinlänglich von der Realität widerlegt worden ist.

    Interessant ist dabei die Einstellung, die Politik müsse steuernd eingreifen ("diesen Weg gut anleiten"), also nur dummes Geschwätz um die Umverteilung von Macht und Geld auf Politiker und sog. Experten zu rechtfertigen.

  • Glauben Sie, HerrMiegel, die 'Schwellenländer' fragen wann, wo und wie sie ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung vorantreiben. Wir können versuchen wenigstens daran teilzuhaben - bestenfalls auch dadurch zu gewinnen!

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