Moral vor Profit
Warum Sozialunternehmen mächtig in Mode sind

Die Idee der Sozialunternehmen erlebt derzeit einen ungeahnten Boom. Konkret geht es um Firmen, die zwar nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten, aber keine monetären Ziele verfolgen, sondern die Welt verbessern wollen. Doch ist ein solches Konzept wirklich praktikabel und zukunftsweisend?
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DÜSSELDORF. Leicht erfüllbare, klar definierte Aufgaben sehen anders aus. Vier Euro Startkapital pro Person haben 20 Studententeams von neun Universitäten bekommen - zusammen mit dem Auftrag, ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem zu suchen und zu lösen. Ganze sechs Wochen hatten sie dafür Zeit. Im Idealfall sollte dies die Basis für die Gründung eines Sozialunternehmens sein. Ausgelobt hatte den Wettbewerb die Vodafone-Stiftung gemeinsam mit der Jacobs University Bremen. Zurzeit kann jeder über die besten Projekte im Internet abstimmen.

Dieser Wettbewerb ist nur ein Beispiel für den Boom, den die Idee der Sozialunternehmen derzeit erlebt - Firmen, die zwar nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten, aber keine monetären Ziele verfolgen, sondern die Welt verbessern wollen.

Das große Vorbild ist die auf Mikrokredite spezialisierte Grameen-Bank des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Der tourt zurzeit durch Deutschland, um für seine Idee zu werben. "Wir befinden uns in der tiefsten Krise, das ist für uns gleichzeitig die größte Chance", sagte er am vergangenen Wochenende auf einer Tagung der BMW-Stiftung. "Jetzt ist der Zeitpunkt zur Neugestaltung."

Doch was verbirgt sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht hinter der Idee? Kann ein Unternehmen so einfach das Ziel der Gewinnmaximierung zugunsten einer sozialen Vision aufgeben, aber ansonsten wie eine ganz normale Firma funktionieren?

Zu den wissenschaftlichen Pionieren in Deutschland zählt Ann-Kristin Achleitner, BWL-Professorin an der Technischen Universität München. Vor drei Jahren noch stand die Wissenschaftlerin auf einer Tagung der deutschen Entrepreneurship-Forscher mit dem Thema Sozialunternehmen ziemlich allein da. Viele ihrer Kollegen, berichtet sie, hätten sie belächelt, einige hätten sie sogar angefeindet.

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Kommentare zu " Moral vor Profit: Warum Sozialunternehmen mächtig in Mode sind"

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  • Gewinnmaximierung muss nich sein aber ein Gewinn.
    Ein Auftrag muss die Kosten (Lohn,Material,Steuer,Sozialabgaben usw.) einbringen, dass für das Produkt bzw. Leistung aufgewendet werden musste. Außerdem muss hier auch noch ein Gewinnaufschlag mit einkalkuliert werden.
    Diesen Gewinnaufschlag kann das Unternehmen dann verwenden wie es mag. im besten Fall als Rücklage (für schlechte Zeiten). im schlechtesten Fall als Renditebefriedigung der Shareholders.
    Sozialunternehmen in dem Sinn, dass keine Renditebefriedigungen im Hintergrund sind. Ein Gewinn muss jedoch immer erwirtschaftet sein ohne von überzogenen Renditezielen getrieben zu werden. Denn das ist dann wirklich nicht mehr "Mitmenschlich".

  • Zitat aus obigem Artikel (Seite 3):
    "Sozialunternehmer stehen zunächst vor größeren Herausforderungen als klassische Firmengründer: Sie müssen sich ihren Markt schaffen."

    Ein Argument, das ich nicht nachvollziehen kann. Klassische Unternehmen stehen doch vor der gleichen Herausforderung. Dort wird die Nachfrage oft genug künstlich über Werbe- und Marketingmaßnahmen erzeugt und gesteigert, bis die Konsumenten meinen, sie benötigten dieses neue Produkt oder diese neue Dienstleistung tatsächlich.

  • ich habe ja durchaus Sympathie für die idee des Sozialunternehmens, frage mich aber, wie man die empirisch erfassen und bewerten will, wenn es keine klare Definition gibt. Auch das vielzitierte beispiel "Dialog im Dunkel" ist für mich eher ein beweis des Gegenteils. So steht in dem Artikel: "Seit Anfang 2007 finanziert das Unternehmen sich aus eigener Kraft. Schwarze Zahlen schreibt er nicht .." Wenn ein Unternehmen keine schwarzen Zahlen schreibt, kann es sich nicht selbst tragen. Aus meiner Sicht (wohl konventionell ökonomisch) ist die grundsätzliche Erziehlung eines Überschuss aus dem Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen die Voraussetzung, um eine Organisation als privatwirtschaftliches Unternehmen zu bezeichnen. Liegt das nicht vor, spricht man wohl von Nonprofit-Organisationen.

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