Muhammad Yunus
Ein Ökonom, der die Massen ins Kino lockt

Ökonomen, das sind meist dröge Typen, zahlenverliebt und für Laien uninteressant. Bis auf Muhammad Yunus. Der Erfinder der Mikrokredite, der 2006 den Friedensnobelpreis bekam, hat alles, was einen Star ausmacht. In Lindau am Bodensee hat nicht nicht Nachwuchswissenschaftler begeistert - sondern auch Touristen ins Kino gelockt.

Normalerweise zeigt das Lindauer Kino „Park-Theater“ Filme wie „Star Wars“ oder „Mamma Mia!“, und das frühestens am Nachmittag. Vergangene Woche unterbrach das Lichtspielhaus für eine knappe Stunde seinen Rhythmus. Live und simultan gedolmetscht übertrug das Kino eine Rede des Ökonomen Muhammad Yunus. Sämtliche Plätze des Filmtheaters waren mittags um 12.20 Uhr gefüllt – die Besucher wollten dem Friedensnobelpreisträger des Jahres 2006 zuhören. Der stand nur ein paar Hundert Meter entfernt auf der Bühne der Inselhalle und fesselte mit seinem Vortrag über Sozialunternehmen einige der weltbesten Wirtschaftswissenschaftler.

14 Gewinner des Ökonomie-Nobelpreises und 300 handverlesene Nachwuchswissenschaftler aus 58 Ländern waren in der vergangenen Woche an den Bodensee gereist – zum dritten Treffen der Gewinner des Ökonomie-Nobelpreises, der vermutlich außergewöhnlichsten Ökonomentagung der Welt. Bislang alle zwei, künftig alle drei Jahre treffen sich in Lindau die aussichtsreichsten jungen Forscher mit dem geadelten ökonomischen Weltwissen. In diesem Jahr aber stahl der Friedensnobelpreisträger allen anderen Stars des Fachs die Show.

„Yunus hat alles, was ein Star haben muss“, sagt Peter Badge, der sich einen Vergleich der Preisträger anmaßen kann: Er hat alle Laureaten getroffen und fotografiert. So auch Yunus, den „Strahlemann“. Wie charismatisch er ist, zeigte er den Lindauer Tagungsgästen: Kaum hatte eine der Symbolfiguren des Kapitalismus, der frisch in den Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen aufgenommene Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, die Bühne verlassen, und kaum war die Podiumsdiskussion über die Finanzkrise mit einigen Ikonen der Wirtschaftswissenschaften zu Ende gegangen, kündigt Yunus an: „Von Billionen kommen wir nun zu Cent.“

Richtig los legt er aber erst, als das in seine Leinenwestentasche gesteckte Mikrofon funktioniert, er auf und ab laufen kann und nicht mehr am Rednerpult stehen muss. Yunus spricht mit Händen, mit Blicken. Powerpoint-Folien – das ist nicht die Welt des bangladeschischen Bankers. Keine Formeln wie später bei Finn Kydland, keine abgelesenen Texte wie bei John Nash. Yunus hält keinen Vortrag, er predigt.

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