Munich Economic Summit Krisenblues in München

Ein hochkarätig besetzter Munich Economic Summit brachte keine Rezepte gegen die Krise hervor. Die EZB soll nicht in die Führungsrolle gehen, die Europäische Investitionsbank will nicht und die Regierungen können nicht.
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Ifo-Chef Hans-Werner Sinn spricht während des 12. Munich Economic Summit. Quelle: dpa

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn spricht während des 12. Munich Economic Summit.

(Foto: dpa)

MünchenEigentlich hätten die hochkarätigen Experten, die das Ifo-Institut und die BMW Stiftung Herbert Quandt nach München eingeladen hatten, den Weg weisen sollen, wie Europa wieder zu kräftigem Wachstum zurückfinden kann. „Relaunching Europe“ war das Motto des 12. Munich Economic Summit am 16. Und 17. Mai. Doch traf der Moderator des letzten Panels, Stephen Fiedler vom Wall Street Journal, unfreiwillig den Tenor des gesamten Summits, als er das Bonmot zum Besten gab: „Wenn Sie dorthin wollen, dann starten Sie am besten nicht von hier aus.“

Schon in seiner Einleitungsrede hatte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn deutlich gemacht, dass er auf Jahre hinaus nicht mit einem „Relaunch“, einem Abheben Europas rechnet. „Es gibt nur drei Möglichkeiten, das Problem zu lösen, das der Euro-Krise zugrunde liegt“, sagte der streitbare Ökonom. Entweder, die Krisenländer müssten durch fortgesetzte Einschnitte bei Staatsausgaben und Löhnen ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen, oder Deutschland müsse zehn Jahre lang Inflationsraten von fünf Prozent haben, um den anderen Ländern ein Aufholen zu ermöglichen, oder manche Länder müssten die Währungsunion verlassen.

Die erste Lösung scheitere daran, dass man der Bevölkerung der Krisenländer nicht noch viel mehr Opfer abverlangen könne, ohne dass es zu Aufruhr käme. Die Inflationslösung in Deutschland im nötigen Ausmaß hält nicht nur Sinn für völlig unrealistisch. Austritte aus der Währungsunion könnten kurzfristig große Verwerfungen verursachen, komplettierte Sinn die Liste der unappetitlichen Optionen Europas.

Seine Schlussfolgerung: Wir müssen uns weiter durchwursteln und bei jeder der Optionen an das Maximum des Durchsetzbaren gehen. Dazu gehört für ihn auch ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, mit dem er innerhalb von wenigen Jahren rechnet.

Das Ergebnis werde sein, dass Europa noch lange Zeit im Krisenmodus mit allenfalls schwächlichem Wachstum gefangen sein werde. Kein Abheben in Sicht.

EZB wird hochfliegende Erwartungen nicht erfüllen können
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19 Kommentare zu "Munich Economic Summit: Krisenblues in München"

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  • Na, na, na, was dem Herrn Sinn in den Sinn kommt ist doch sehr eingleisig gedacht.
    Es stimmt schon, dass die Krisenländer wohl kaum auf Sparkurs zu kriegen sind. Dort denkt keiner ans Rückzahlen!
    Dass Deutschland auch Probleme hat, die ohne die Anderen schon groß genug sind, sollte man nicht vergessen: Siehe z.B. die mehr als unbefriedigende Rentenentwicklung bzw. die immense Kostenlawine die wegen demggü. unfairer Pensionsentwicklungen entsteht.
    Da könnte ein Ansatz sein, den man den Südländern unterbreiten könnte:
    Wenn Gr, F, It und Sp ihre Leute mit 58, 59, 60 und 61 Jahren in Rente schicken und D mit 64 (nehmen wir das mal als hypothetische Durchschnittszahlen).
    Dann könnte man einen Euro-Renten-Bonds aufmachen mit gemeinsamer Haftung, bei dem jedes Land für jeden Arbeiter vom geringsten bis höchsten Renteneintrittsalter der Partnerländer einen Kredit aufnehmen kann in Höhe der durchschnittlichen Rentenbeiträge.
    Das Resultat wäre, dass wir in Deutschland von aus diesem geliehenen Geld unseren Arbeitern ab 58 Jahre die Rentenbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) zahlen.
    Dann hätten diese Leute 10% mehr Geld und würden die Arbeitgeber 10% weniger kosten.
    Im Gegenzug hat Gr Geld, die Pensionen zu zahlen.
    DAS wäre dann ein Quantitave Easing, das sich gewaschen hätte:
    1. Wenn uns dann in 20-30 Jahren die Renten doch um die Ohren fliegen -- egal, wir haben sie Teilen der Bevölkerung in Teilen der Lebensphase eh erstattet.
    2. DAS wäre doch ein Konjunkturprogramm nach Gusto der Linken Genossen!!!
    3. Es wäre auch ein Arbeitgeberprogramm.
    4. Die Beamten würden leider fast aussen vor bleiben, weil ihre lächerlichen unter-1-%-Pensionsrückstellungen kaum auf dem Lohnzettel auftauchen.
    5. Die Griechen, Franzosen etc könnten bei dem Vertrag herrlich ihre Vorteile verhandeln indem sie ihre Rentnerzahlen und Rentenhöhen türken, äh, sorry: "verhandeln".
    6. Die Südländer könnten auf Ihre Art Glücklich werden.
    7. bei uns würden die Fleissigen profitien...

  • Tja, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Ich persönlich habe ohnehin nichts anderes erwartet.
    Überraschend war lediglich der bisher verbreitet Zweckoptimismus.
    Dabei begreifen viele einfach nicht, das theoretisch denkbare Lösungen praktisch nicht umsetzbar sind bzw. niemand bereit wäre, dafür die Verantwortung zu übernehmen.
    Eine schnellere Lösung würde eben voraussetzen die eine oder andere gesellschaftliche Gruppe Preis zu geben.
    Die betreffende Regierung würde sofort geschasst werden.
    Dabei spielt es längst keine Rolle mehr, wem man die Schuld zuschiebt, an den Fakten ändert das nichts mehr.

    H.

  • Dem schließe ich mich an. Wenn eine ein Punkt Partei dort ankommt wo sie gerne hin will, dann Gnade uns allen! Was das nachher für ein gehampel wird nachdem die erste (und einzige!) Lösung (aka "Alternative") umgesetzt wurde.

    Ich möchte damit aber unter keinen Umständen zum Besten geben, dass andere (etablierte) Parteien eine vernünftige Alternative (pun intended) parat liegen hätten. Dies ist mir in letzter Zeit nicht bewusst geworden.

    Was ich nur noch sehe ist das ständige Fingerzeigen (allen voran seitens der unfehlbaren Herrschaften der FDP): "Die da haben das alles verbrochen, wir haben mit nichts was am Hut." Da müsst ihr die da drüben zu fragen. Da waren wir nicht in einer Regierungskoalition..."

    So geht das den lieben langen Tag. Ich kann verstehen, dass viele Menschen frustriert sind. Schließlich bin ich es auch und ich hatte sowohl bei den Piraten als auch bei der AfD Hoffnungen die aber jäh an dem Stolz / oder Engstirnigkeit beider Parteien gescheitert sind sich zu finden und ein funktionsfähiges (nachhaltiges!!!!) Konzept auf den Tisch zu legen.

    Ich sage es so: Ich bin der Politik in Deutschland überdrüssig! Wir neben einer Lösung der AKUTEN Probleme ein langfristiges Umdenken in der Politik - UND der Bevölkerung. Die allgemeine Volksverdummung hilft dabei aber nicht weiter sondern macht einen solchen Umbruch schlicht unmöglich.

  • Ja, bis zu einem gewissen Grad folge ich ihrer Argumentation schon. Regionale Selbstverantwortung darf nicht durch europäische Gleichmacherei glatt gebügelt werden. Der Wettbewerb der Regionen treibt ein föderales Gebilde voran, völlig richtig.

    Insgesamt muss jedoch eine Gemeinschaft auch als Gemeinschaft wahrgenommen werden können. Am Beispiel Deutschlands wird das anschaulich. Die Außenwirkung Deutschlands ist, eine starke Wirtschaftsmacht mit stabilen politischen Verhältnissen und wenig Korruption. Für Investoren gute Voraussetzungen für ein Engagement. Wir wissen aber um die regionalen Unterschiede in unseren Bundesländer und wie wir das in Deutschland ausbalancieren.

    Auf Europa übertragen bedeutet das, wir müssen ähnliche Mechanismen installieren. Erst dann werden sich internationale Investoren engagieren und, sagen wir mal in Griechenland, ein Werk bauen. Das passiert aber nur dann, wenn die Investoren überzeugt sind, dass die Verwaltung da genau so effizient läuft wie in Holland oder Deutschland beispielsweise. Griechenland würde er nur aus dem Grund wählen, weil da die Löhne billiger und die Leute fleißiger sind wie z.B. in Deutschland (*lach-brüll-schenkelklopfer*).

    Aber Spaß bei Seite. Wollen denn die europäischen Bürokraten und Politiker wirklich ein föderales Europa? Mit allen daraus erwachsenden Konsequenzen? Finanzausgleich, Aufgabe großer Teile an nationaler Souveränität, Unterordnung unter eine brüsseler Bundesregierung? Und wollen wir, die Bürger der Nationalstaaten das denn auch? Wenn ich mir das momentane Gezerre um den Euro ansehe muss ich für mich sagen, nein. So wird es glaube ich Vielen gehen. Tief in uns drinnen sind wir noch lange keine Europäer.

  • Wenn Sie damit auf die AfD anspielen, möchte ich hiermit ein netzbekanntes LOL zum Besten geben.

  • "Wir wissen das, die Wirtschaftsexperten wissen das. Denn erst wenn eine Harmonisierung der Wirtschaft, Finanzen, Rechtsprechung, Steuern, Politik und so weiter, im Euroraum vollzogen ist, klappt's auch mit dem Euro."

    So eng kann ich das garnicht sehen. Ich will gar keine "volle Harmonisierung", dann würde ich noch weiter südlich wandern, wenn hier alles nach deutscher Manier geregelt wäre *grusel*.

    Wo ist das Problem, wenn ein Land pleite ist, ist es eben pleite, wie jeder von uns auch wenn keine KOhle mehr da ist. Dann muß man eben von vorn anfangen. Nur wer liegen bleibt, kann sich gleich eine Kugel in den Kopf jagen.
    Die Wirtschaftswissenschaftler wissen nicht weiter, ja wer hätte das denn gedacht? Das habe ich schon vor Jahren auch für Deutschland im geistigen Auge vor mir gehabt. Der eine richtet seine Gesellschaft durch Bürokratur zugrunde, der andere durch Verschwendung, der nächste durch extremste Sparsamkeit bis zur Anorexie, der nächste versucht Banktürme zu bauen.
    So ist das Leben, jeder versucht das Beste für sich rauszuholen, so wie er es gelernt hat. Und gelernte Mechanismen in andere Bahnen zu lenken, darüber gibt es schon mehr Bücher als lesbar sind. Aber in allen steht das es mindestens eine Generation braucht um ganze Strukturen zu ändern.
    Die Deutschen mit ihrem extremen Sicherheitsbedürfnis spielen hier auch eine Rolle die ein tolerantes Neben- und Miteinander eher kontrakarieren.
    Finanzmärkte und Wirtschaftswissenschaftler - my ass, wo kein Geld ist, gibts auch keinen Finanzmarkt.
    Nachbarn nicht verhungern lassen und sehen ob sie auf die Füße wollen, und zwar auf ihre eigene Art - nur so kanns gehen. Wenn nicht, müssen sie sich eben mit dem Land und was es hergibt zufrieden geben. Das macht kein anderes Land in einer Gemeinschaft ärmer. Nicht alle wollen Geld scheffeln, manche wollen auch noch einfach leben.

  • http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_63395934/forsa-umfrage-beide-politischen-lager-ohne-mehrheit.html

    Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?
    Samstag 18.05.2013/05.10h

    Es haben 11577 Besucher abgestimmt

    CDU/CSU
    24.1%
    (2795 Stimmen)

    SPD
    14.3%
    (1658 Stimmen)

    Die Grünen
    4.8%
    (557 Stimmen)

    FDP
    3.4%
    (397 Stimmen)

    Piratenpartei
    2.2%
    (233 Stimmen)

    AfD
    38.6%
    (4470 Stimmen)

    Die Linke
    2.6%
    (306 Stimmen)

    Keine Partei
    2.8%
    (325 Stimmen)

    Andere Parteien
    7.2%
    (836 Stimmen)

    * Diese Nutzerumfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Online-Umfragen sind einem hohen technischen Missbrauchsrisiko ausgesetzt, die Ergebnisse dieser Umfrage könnten eventuell von Dritten manipuliert worden sein.

    http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_63395934/forsa-umfrage-beide-politischen-lager-ohne-mehrheit.html

  • Gesucht wird …

    … der Retter Europas. Ich bin's nicht und wir Anderen, die wir hier unsere Zeit mit tollen Kommentaren vergeuden, sicher auch nicht. Stellen wir uns aber trotzdem mal aus Spaß vor, unsere Wirtschaftspolitik wird von einem Franzosen bestimmt. Die Innen- und Sicherheitspolitik von einem Italiener. Spätestens jetzt werdet ihr mich für bescheuert halten. Stimmt, aber so sähe es aus, wenn Europa eine Politik- und Wirtschaftsgemeinschaft wäre. Die Legislative säße in Brüssel und hätte vollen Durchgriff auf die regionale Administrative. Herr Schäuble wäre dann vielleicht der Europa-Finanzminister, auch für die Griechen. Da käme Freude auf, kann ich euch sagen.

    Wir wissen das, die Wirtschaftsexperten wissen das. Denn erst wenn eine Harmonisierung der Wirtschaft, Finanzen, Rechtsprechung, Steuern, Politik und so weiter, im Euroraum vollzogen ist, klappt's auch mit dem Euro. Bloß wer verklickert das den handelnder Politikern? Die träumen doch teilweise immer noch ihren Traum aus glorreichen nationalen Zeiten.

    Jetzt mal Hand auf's Herz, können wir uns selbst das denn vorstellen? Mal ehrlich, einen französischen Wirtschaftsminister, der auch die deutsche Wirtschaft dirigiert? Das treibt den hartgesottensten von uns die Tränen in die Augen, und nicht aus Freude.

  • Das Kovergenzziel der EURO Union ist ein Schuldenschnitt von allen EURO Ländern oder zumindest einer Teilmenge dieser Länder. Der Beleg sind die Kreditausfälle aller Krisenstaaten, die sich einerseits aus der inneren Abwertung als Korrelatiorn zu Kreditausfällen ergeben (= niedrigere Löhne und niederigere Umsätze führen bei Austeritätsmassnahmen automatisch zu Kreditausausfällen).
    Andererseits verstärkt eine Deflationierung wie beispielsweise in Griecheanland wie im 1.Qaurtal 2013
    (reales Defizit 5.3% < nomales Defizit von 7.0%) die Wahrscheinlichkeit eines 100%igen Schuldenschnitts, da die Wahrscheinlichkeit der Tragbarkeit der Staatsschulden bei Deflationierung gegen Null kmonvergiert.

  • @M1ausB - kurze Party

    Babyboomer scheiden mit heutigen Drogen spätestens >365 Tagen aus gesundheitlichen Gründen aus.

    Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ihre Frau oder die EZB.

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