Nach Vorwürfen in Mannheim
Uni verurteilt wissenschaftliches Fehlverhalten

Die Universität Mannheim hat ihre Untersuchungen gegen den Ex-Dekan der BWL-Fakultät, Hans Bauer, abgeschlossen. Der Bericht der Kommission kommt zu einem eindeutigen Ergebnis.
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DüsseldorfKnapp zwei Monate hat die Kommission der Uni Mannheim die Vorwürfe gegen den Ex-Dekan der BWL-Fakultät, Hans Bauer, und zwei seiner früheren Mitarbeiter geprüft. Ihnen wird vorgeworfen, Teile der Masterarbeit einer Studentin unter eigenem Namen publiziert zu haben – ohne die Studentin zu erwähnen. Das Ergebnis des Prüfberichts ist eindeutig: „Allen Beteiligten ist wissenschaftliches Fehlverhalten anzulasten“, stellt die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Universität Mannheim fest. Allerdings sei bei der Schwere des Fehlverhaltens zwischen den Betroffenen zu differenzieren.

Bei dem Fall geht es um einen kürzlich erschienen Sammelband vom inzwischen emeritierten Marketing-Professor Bauer und seinem Lehrstuhlteam. Darin ist ein Aufsatz über Social-Media-Management enthalten, bei dem es sich weitgehend um die Masterarbeit einer Studentin handelt. Die BWL-Absolventin wurde jedoch nicht als Autorin oder Mitautorin genannt. Stattdessen tauchte eine andere ehemalige Doktorandin als Mitautorin auf, die laut Prüfungsbericht keinen maßgeblichen Beitrag zum Aufsatz geliefert habe.

Der Prüfbericht wirft Bauer vor, dass er bei der von ihm übernommenen Schlussredaktion des Sammelbandes die unterlassene Nennung der Absolventin als Autorin übersehen habe. Wegen der nachlässigen Prüfung habe er „grob fahrlässig“ gegen die Regel verstoßen, Miturheber einer Publikation zu nennen.

Die beiden ehemaligen Lehrstuhlmitarbeiter hätten hingegen "vorsätzlich" gegen diese Regel verstoßen. Außerdem hätten sie durch die Nennung der ehemaligen Doktorandin als Mitautorin auch die Regel verletzt, als Verfasser einer wissenschaftlichen Publikation nur deren Urheber zu nennen. Die ehemalige Doktorandin habe zugelassen, dass sie selbst als Mitautorin genannt wurde. Ansonsten aber keinen aktiven Anteil an der Auswahl der Namen gehabt.

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„Die Betroffenen haben der Wissenschaft Schaden zugefügt“

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  • Wer eine Masterarbeit geschrieben hat, kann den Zeitaufwand, Schwund von Nerven und persönlichen Einsatz ermessen, der investiert wurde. Den Themenbereich einer Masterarbeit als "bla bla Fach" zu bezeichnen, kann nur einem Kleingeist entspringen. Die Veröffentlichung einer Masterarbeit oder Teile einer Masterarbeit ohne Nennung der Urheber ist ein moralisch schändliches Vergehen. Schon im Mittelalter hatte man dafür eine treffende Bezeichnung. "Du sollst dich nicht mit fremden Federn schmücken." Leider schreitet der Verfall von Moral und Anstand in unserer Gesellschaft erschreckend voran.

  • Meine Güte, immer so ein Aufhebens!
    Jeder weiß doch, wie etwas auch beim Doping im Sport, dass es so abläuft! Da wird Prof. Bauer nicht der einzige sein. Mit Wissenschaft hat das alles nichts zu tun, sondern ist reine Ideologie und das weiß auch jeder! Aber natürlich will sich der Bürger in seiner schönen Marktwirtschaft lieber selber die Hucke voll lügen, als einmal zuzugeben, wie dieser ******laden hier abläuft-Verarsche von früh bis spät!

  • So ein Riesenskandal wie hier dargestellt ist die Sache beileibe nicht. Es handelt sich und eine Master-Arbeit in einem Bla-Bla-Fach und sicher nichts mit dem man sich einen Nobelpreis erschleichen kann.

    Nicht korrekt, aber auch ein Schwerverbrechen.

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