Nachruf
„Gerechte Preise gibt es nur im Himmel“

Der Kölner Volkswirt Hans Willgerodt ist im Alter von 88 Jahren gestorben. An wirtschaftspolitischen Debatten beteiligte sich die VWL-Koryphäe stets pointiert, wortgewandt und mit Witz - und kritisierte die Eurorettung.
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KölnEr war einer der großen Vordenker der Ordnungspolitik, hat Generationen von Ökonomie-Studenten geprägt und war eine feste Größe in den wirtschaftspolitischen Debatten der Bonner Republik: Hans Willgerodt, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni ist der Wissenschaftler im Alter von 88 Jahren verstorben.

Bis zuletzt hat sich Willgerodt in den wirtschaftspolitischen Debatten zu Wort gemeldet – so pointiert, wortgewandt und mitunter auch witzig, wie man es von ihm seit Jahrzehnten gewohnt war. So war Willgerodt einer von 47 VWL-Professoren, die Ende 2011 den FDP-Mitgliedern in einem offenen Brief empfahlen, beim Mitgliederentscheid gegen die Euro-Rettungsschirme zu stimmen.

Die Rettungsaktionen rund um den Euro sah er kritisch, ohne aber gleichzeitig ein grundsätzlicher Europa-Skeptiker zu sein. “Den wichtigsten, nämlich freiheitlichen Teil einer sinnvollen Integration haben wir seit vielen Jahren”, schrieb er im Oktober 2011 mit Blick auf die europäische Wirtschaftsgemeinschaft.. “Was jetzt hinzukommt, sind Fehlschläge.” Zugleich war er überzeugt, dass Marktwirtschaft alles andere als ein Nullsummenspiel ist. „Wirtschaft ist kein Krieg, sondern Tausch zum gegenseitigen Vorteil.“ Der Forscher war überzeugt, dass der Staat mit seinem vielen Vorschriften und Interventionen den Marktmechanismus einschränkt und so dem gesamtwirtschaftlichen Wohlstand schadet.

Willgerodt, der von 1963 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1989 Ordinarius für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln war, kam erst über Umwege zur Volkswirtschaftslehre: Zunächst hatte der in Hildesheim geborene Beamtensohn Medizin studiert; erst nach dem Physikum wechselte er die Fächer.

Zusammen mit seinem ebenfalls emeritierten Kölner Kollegen Christian Watrin stieß Willgerodt 2009 eine bundesweite Debatte über die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an. In einem Brief an die Fakultät kritisierten beide die Berufungspolitik der Kölner Volkswirte massiv. Es werde zu sehr auf Publikationen in internationalen Top-Zeitschriften geschaut und die wirtschaftspolitische Relevanz der Forschung vernachlässigt. Die Personalpolitik stelle „den guten Ruf der Kölner Wirtschaftswissenschaften“ in Frage.

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Willgerodt beurteilte Wirtschaftspolitik als „Kunstlehre“

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  • Lieber Olaf, in der Tat ein guter Nachruf für einen bewundernswert wachen und freien ökonomischen Denker.

  • Ja schade, dass wir nicht mehr Volkswirtschaftler wie Prof. Dr. Hans Willgerodt haben. Er war ein großer Mann!

  • Ein großer, unbestechlicher Mann.

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