Neue Studie
Chinas Aufstieg war ein Grund für die Euro-Krise

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist eine Ursache für die aktuelle Krise in der Euro-Zone. Zu diesem Schluss kommen Zentralbank- und IWF-Ökonomen in einer neuen Studie und senden eine Warnung nach Deutschland.
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KölnVerfallende Fabriken, leerstehende Lagerhallen - im Norden Portugals ist das seit Jahren ein gewohntes Bild. Die Region, einst das Zentrum der europäischen Textilindustrie, hat im vergangenen Jahrzehnt einen beispiellosen Einbruch erlebt.

75.000 Menschen verloren ihren Job, viele Unternehmen mussten aufgeben. Schuld an dem Absturz war auch die neue Konkurrenz aus China, mit deren Preisen die portugiesischen Firmen nicht mithalten konnten, argumentieren die Ökonomen Uffe Mikkelsen (Dänische Nationalbank) und Esther Pérez Ruiz (IWF) in einer neuen Studie.

Portugal war demnach nicht das einzige Opfer: Der Aufstieg des Reichs der Mitte zur Wirtschaftssupermacht hat die EU laut Studie in zwei Teile gespalten und war damit eine der Ursachen für die aktuelle Krise. Die Forscher haben mit einem ökonomischen Modell untersucht, wie sich die rasant wachsende Exportwirtschaft Chinas auf Europa ausgewirkt hat.

Dabei erklären sie zunächst, warum sich die einzelnen EU-Länder schon vor dem Aufstieg Chinas in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Sie greifen auf das berühmte Außenwirtschaftsmodell des Ökonomen David Ricardo zurück, das besagt, dass sich in einer Welt ohne Handelsbarrieren jedes Land auf die Produktion der Güter konzentriert, bei denen es einen Wettbewerbsvorteil besitzt.

Ein gemeinsamer Binnenmarkt wie in der EU kommt der von Ricardo erdachten Idealwelt des Freihandels recht nahe. Tatsächlich zeigen mehrere Studien, dass sich die EU-Länder mit dem Beginn des Abbaus der Handelsschranken verstärkt spezialisiert haben.

Vor allem die südlichen Peripheriestaaten Griechenland, Italien, Spanien und Portugal haben zwischen 1972 und 1996 eine immer einseitigere Wirtschaftsstruktur aufgebaut, stellte der Ökonom Marius Brülhart (Universität Lausanne) fest. Aber auch Deutschland und Finnland konzentrierten sich vermehrt auf einige Kernbranchen.

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Schwerer Schock für die europäische Textilwirtschaft

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  • Dieser Punkt ist nicht ganz neu. Dass langsam die Technologiesperren fallen, bereits gefallen sind, ist seit 15 Jahren bekannt. Es muss aber auch ein Käufer geben und der muss über die Information verfügen,
    a) woher die Produkte stammen die er kauft
    b) und einen Produzenten geben der nach China geht und Waren in alle Herrenländer vertreibt
    c) für den Konsumenten ein guten Grund, sei es Einkommen, sei es ein durch Qualität überzeugendes Angebot
    d) sei es eine Einkommensverteilung die 'heimischen' (lokal orientierten) Produzenten erlaubt ihre Waren erfolgreich zu vermarkten.

    Die Chancen in der Globalisierung zu nutzen heißt letztendlich für eine Volkswirtschaft - 'Feigheit vor dem Feind'. Denn wenn eine Volkswirtschaft nicht in der Lage ist ein eigenständiges möglichst komplettes Angebot an die eigene Bevölkerung zu stellen, dann werden sich die Einkommen in der Welt letztendlich angleichen, aber nicht am gewohnten Europäischen durchaus bei weitem zu hohem Niveau - ob der Abgabenlast die der Bevölkerung aufgebürdet wird. Regierungen erkennen das mittlerweile als Problem. Die logische Konsequenz über die Jahre (es dauert wohl einige mehr) ist die Zerrüttung des Sozialstaats ...

    Sowohl die Inder als auch Chinesen betreiben seit Jahren respektive Jahrzehnten eine Market Penetration über Billigstpreise. Von wem sie das wohl gelernt haben? Der große Bruder respektive gierige Onkel aus Amerika läßt grüßen.

    Mir ist eine fröhliche Kuh lieber als eine billige Milch. Am Ende ist es wichtig, dass lokal die Strukturen bestehen bleiben überhaupt noch ein Angebot in der Breite stellen zu können durch mehre Anbieter in Konkurrenz. Ein Weltkonzern ist keine Konkurrenz für einen Mittelständer, ... so etwas ist keine Konkurrenzsituation. Wenn der Große beginnt den Kleinen zu würgen, kann a) der Staat regulierend eingreifen oder b) der Konsument den Kauf verweigern.

  • Man darf den Einfluss Chinas nicht unterschätzen, Freihandel ist kein Wert an sich. Er setzt voraus, dass annähernd gleicher Lebensstandard gilt und somit zumindest ein diesen Lebenstandard ermöglichendes Lohnniveau existiert und Unterschiede sich ansonsten nur durch die Leistungsfähigkeit ergeben.
    Damit sind chinesische Importe Wettbewerbsschädliche Importe, weil sie nicht auf einer höheren Leistungsfähigkeit sondern nur auf einer größeren Ausbeutung der Arbeitskräfte beruhen.
    Deshalb ist der Abbau von Zöllen national gesehen schlicht dumm bzw. für profitierende Branchen egoistisch.
    Es kann nicht die Aufgabe entwickelter Volkswirtschaften sein, die Märkte Dritter auf eigene Kosten zu entwickeln. Nur weil es bequemer ist, als die Märkte vor Ort zu entwickeln.
    Letztlich bedeutet dies eigene Wettbewerbsvorteile zu verschenken, und das zum Schaden aller.
    Denn China produzuert billiger durch geringere Sozialstandards und auch wegen geringerer Umweltauflagen ,und mangels Auflagen, rücksichtsloseren Ressourcenverbrauch. Das wäre binnenwirtschaftlich noch vertretbar, aber keinesfalls außenwirtschaftlich.
    Machtpolitisch ist das ebenfalls sehr fragwürdig, weil damit Chinas Hegemonialbestrebungen im Pazifik und auf den Gütermärkten der übrigen Welt letztlich von uns finanziert wird.
    Dümmer gehts halt nimmer.

    H.

  • Eine sehr einseitige Betrachtung der Ursachen der EURO Krise. Der Einfluss der Billigimporte aus China auf die EURO Krise ist weitaus geringer als im Beitrag suggeriert. Selbst wenn es keine Exporte aus China gegeben hätte, wäre das Überschuldungsproblem der Südländer aufgetreten. Die Lohn-Preis-Spiralen haben sich schon vor dem Eintritt in die Währungsunion in allen Südländern gedreht. Sie wurde nur gedämpft durch die ständige Abwertung der lokalen Währungen, die jetzt nicht mehr möglich sind. Um dem zu entkommen, müssten diese Staaten innere Abwertungen realisieren und den niedrigen Stand des Wohlstandsniveaus auch beibehalten. Beides ist nicht möglich und wird sogar durch die Auflagen des IWF, die zu 90% in Steuererhöhungen realisiert werden, weil dort keine Widerstände zu erwarten sind, verunmöglicht. Solche Artikel sind nicht seriös und dienen nur den Schönwetterreden der Politiker.

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