Neues Buch von Timothy Geithner
Ansichten eines Bankenretters

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„Versprechen an die Amerikaner gebrochen“

Überhaupt kann er die Kritik an den ausufernden finanziellen Hilfs- und Stützungsmaßnahmen bis hin zu den jetzt erst auslaufenden Anleihekäufen durch die US-Zentralbank Fed nicht nachvollziehen. Damaligen Kontrahenten in den eigenen Reihen wie Neil Barofsky, der über das staatliche finanzielle Hilfsprogramm TARP wachen sollte, kanzelt Geithner in seinem Buch als zu unqualifiziert ab, um damals wirklich den Überblick gehabt haben zu können. Der Gescholtene schlug in einer Stellungnahme gegenüber dem TV-Sender CNBC zurück und warf ihm vor, Kritik zu ignorieren, seine Krisenbewältigung habe wissentlich „das Versprechen an die Amerikaner gebrochen, dass TARP sowohl einfachen Hausbesitzern als auch den Großbanken zugute kommen sollte.“

Seinen Weg beschreibt Geithner als einzig richtigen.  Dafür zieht er das Totschlagargument schlechthin heran: Sonst wäre alles viel schlimmer gekommen. Allerdings weiß das niemand wirklich. Und seine Erfolgsstory mündete zumindest bis jetzt in der langsamsten Wirtschaftserholung in den USA nach einer großen Krise überhaupt. Die Probleme am Arbeitsmarkt sind weiter groß, die Immobilienpreise fragil und die Zentralbank hat Billiarden Dollar zusätzlicher Schulden aufgehäuft. Lediglich das reichste Prozent der Amerikaner hat unbestritten diese Krise nicht nur überlebt, sondern auch noch  kräftig von ihr profitiert.

Eines immerhin räumt Geithner in seinem Buch in verblüffender Offenheit ein. Der ganze wohlbestallte Apparat von Aufsehern, Analysten und Regulierern in der New Yorker Fed, der die größten Wall-Street-Banken kontrollieren sollte, hatte nichts kommen sehen. Die Unterkapitalisierung des Bankensystems war mit Händen greifbar, das Rad drehte sich immer schneller, aber Geithners Fed war überzeugt, alles sei beherrschbar. Wenn das restlos aufgeblähte Gebäude der Müllkredite auf US-Immobilien und Subprime-Hypotheken einmal zusammenbrechen sollte, dann könnte man die Folgen in den Griff bekommen.

Einen landesweiten Verfall der Immobilienpreise, das konnte sich einfach niemand vorstellen. Es lief doch alles so bombastisch. Und die benutzten Analysewerkzeuge waren völlig unzureichend, um die Gefahren aufzuzeigen, wie sich hinterher erwiesen hat. Eigentlich war er irgendwie schon der Meinung, schreibt Geithner, dass die großen Banken wie Goldman, Citigroup oder Lehmann mehr Kapital haben sollten. Aber für mehr als eine freundliche Aufforderung an die Chefs hat es nicht gereicht. Das Ausmaß zu spät realisiert und die Wucht unterschätzt zu haben, das sei sein Fehler gewesen.

So lobenswert es ist, die eigenen Schwächen im Vorfeld einzuräumen – es lässt allerdings doch einen bitteren Nachgeschmack zurück: Warum sollen die, die zunächst die Zeichen nicht gesehen haben, dann hinterher das einzig Richtige gemacht haben? Wissen werden wir es, wenn überhaupt, erst in vielen Jahren, wenn die Langfristfolgen der ultra-lockeren Geldpolitik und der Rettung der Finanzindustrie zu sehen sein werden. Letztere ist wieder so munter und aktiv wie vor 2007. Zumindest an den Kapitalmärkten. 

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Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Warum finde ich in dieser Rezension nichts über den Rest in Geithners Buch?
    Aufschlussreich sind die Berichte über die wichtigsten EU-Krisengipfel, über Schäubles Plan, Griechenland aus dem Euro zu nehmen usw. usw.
    Stattdessen tut das Handelsblatt so, als sei dies Buch nur das dumme Geschreibsel eines eitlen ehemaligen Provinzpolitikers.
    Liebes HB, es kann sowieso nicht mehr verhindert werden, das wir Leser mehr erfahren und NOCH EU-kritischer werden. Warum also uns weiterhin Wichtiges verschleiern?

  • Wer kann wissen was tatsächlich geschehen wäre, hätte Lehmann die damalige Krise überlebt: bei der damaligen Eigendynamik wäre es ggf. jedenfalls ebenso denkbar gewesen, dass ein späterer, weitaus größerer Kollaps mit weitaus unüberschaubereren Risiken als ohnehin schon, selbst Bankenrettungen kaum noch möglich hätte erscheinen lassen können.
    Gleichwie: hätte, hätte Fahrradkette...

  • Ein überflüssiges Buch mehr von einen korrupten und verlogenen Menschen....

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