Neues Menschenbild
Wenn der „Homo oeconomicus“ irrt

Die deutsche Berkeley-Professorin Ulrike Malmendier will den Menschen verstehen, wie er ist - und stellt das gängige Menschenbild der Wirtschaftswissenschaft in Frage. Dafür erhält sie Anerkennung – aber auch Gegenwind.
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Ulrike Malmendier ist die wohl einzige Ökonomie-Professorin, auf deren Veröffentlichungsliste lateinische Titel auftauchen. Denn die deutsche Volkswirtin, die seit 2008 Professorin auf Lebenszeit an der amerikanischen Eliteuniversität Berkeley ist, hat in Bonn einst neben Ökonomie Jura studiert - und über römisches Recht promoviert. Später legte die 39-Jährige in Harvard einen Doktor in Volkswirtschaftslehre nach.

Und so stammen auch Arbeiten wie „De foeminis iuris prudentia inbutis“ (Über juristisch geschulte Frauen) oder „Societas publicanorum“ (Staatliche Wirtschaftsaktivitäten in den Händen privater Unternehmer) aus ihrer Feder. Das ist mehr als eine Skurrilität.

Ohne ihr Jura-Studium wäre Malmendier als Ökonomin vielleicht nie so weit gekommen. Es war der Kontrast zur Rechtswissenschaft, der sie die Schwächen der ökonomischen Standard-Theorie erkennen ließ. In der VWL herrschte ein Bild vor, dass vom Menschen als vollständig rationalem Akteur ausging. Bei den Juristen dagegen ging es um Menschen, die Fehler machen. „Da spielt es eine große Rolle, ob der Täter kalkuliert gehandelt hat oder sich von Gefühlen hat hinreißen lassen“, sagt sie.

So sei ihr der Gedanke gekommen, der ihre Forschung prägt: „Auch Ökonomen sollten versuchen, den Menschen besser zu verstehen.“ Mit diesem Leitgedanken hat es Malmendier weit gebracht. Sie ist eine der weltweit führenden Spezialisten für verhaltensorientierte Wirtschaftsforschung („Behavioral Economics“). Dieser Forschungszweig versucht, die Modell- und Theoriewelt der Ökonomen mit dem tatsächlichen Verhalten von echten Menschen in Einklang zu bringen. Etwa, indem es Bezüge zur Psychologie hergestellt werden.

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„Die Leute haben das einfach noch nicht verstanden“

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  • "Dieser Forschungszweig versucht, die Modell- und Theoriewelt der Ökonomen mit dem tatsächlichen Verhalten von echten Menschen in Einklang zu bringen."

    ..man sollte bedenken, dass die Wirtschaftswelt selbst den Menschen zunehmend verändert.

  • Mir gefällt der Begriff "durch die Massenmedien konditionierte Konsumratten" besser.

  • "Wir sind doch längst beim Homo-Idioticus angekommen."

    *lach*, ja da ist wirklich was dran.
    Es wird den Leuten eingeredet mit den jeweiligen Produkten kauft man Anerkennung und Stolz gleich mit.
    Eine Analyse der Werbebotschaften auf breiter Front und eine Produktbeschreibung vom Anfang bis zum Ende, inkl. der Produktionsbedingungen, würde den geprägten Homo-Irgendwas voll aus den Fugen bringen.
    Den ich denke, der Absatz ist inzwischen keine Frage des Produkts selbst mehr, sondern eine Frage des Werbebudgets.
    Und damit ist man schon wieder beim Leitsatz im Geschäftsleben, den man immer wieder hört. Jeden Tag steht ein Dummer auf ...

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