Nobelpreis für Paul Krugman
Ökonom wider das Establishment

Mit einem zehnseitigen Aufsatz hat Paul Krugman eine wissenschaftliche Revolution gestartet: ein neues theoretisches Modell zum internationalen Handel. Dafür bekommt der Princeton-Professor jetzt den Ökonomie-Nobelpreis – und das obwohl er zunächst in Fachkreisen kritisch beäugt wurde, selbst von seinem Doktorvater.

Gerade einmal 26 Jahre ist der Mann alt, als er im Herbst 1979 eine wissenschaftliche Revolution startet. Mit einem Aufsatz, der nur zehn Seiten lang ist. Darin präsentiert Paul Krugman ein neues theoretisches Modell zum internationalen Handel. Es basiert auf der Idee, dass Größenvorteile bei der Güterproduktion eine der entscheidenden Triebkräfte des Welthandels sind. Die zentrale Idee dafür war ihm einige Monate vorher auf dem Logan Airport in Boston gekommen – sie wird zur Grundlage für die „New Trade Theory“. Seinen ersten Vortrag über diesen Einfall bezeichnet Krugman bis heute als die „glücklichsten 90 Minuten meines Lebens“.

29 Jahre später erhält Krugman dafür jetzt den Ökonomie-Nobelpreis. Er galt seit Jahren als Anwärter auf die höchste ökonomische Auszeichnung. Als er von der Entscheidung erfuhr, konnte er es nicht glauben. „Ich dachte zunächst, dass das ein Scherz ist“, erzählte er der schwedischen Nachrichtenagentur TT. „Der nächste Gedanke galt meiner Frau, die zurzeit in New York ist. Wie erreiche ich sie nur?“ Es sei ein „sehr merkwürdiger Morgen“ für ihn, zumal er ein volles Programm für den Tag geplant hatte. „Ich bin geschockt.“ Krugman ist einer der brillantesten und schillernsten Vertreter seiner Zunft. Pointiert äußert er sich nicht nur zur Wirtschaftstheorie zu Wort, sondern als Kolumnist der „New York Times“ auch zu Fragen der Tagespolitik.

Wirtschaftspolitisch steht Krugman eindeutig links von der Mitte. Er wettert gegen eine übermäßige Marktgläubigkeit und macht sich für die Rehabilitation von John Maynard Keynes stark. Der verstorbene Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman habe einen ideologischen Kreuzzug gegen Keynes geführt, kritisierte Krugman im vergangenen Jahr.

Bei seinem Eintreten für die freie Marktwirtschaft habe Friedman überzogen und sich von einem Wissenschaftler in einen Ideologen verwandelt. Grundsätzlich sei sein Argument, das Spiel von Angebot und Nachfrage liefere die besten Ergebnisse, in vielen Fällen zwar richtig. „Friedman ist aber abgeglitten in die Behauptungen, dass der Markt immer funktioniert und dass nur der Markt funktioniert“, so Krugman. „Mit seinem Laisser-faire-Absolutismus hat er zu einem geistigen Klima beigetragen, in dem der Glaube an den Markt und die Verachtung für Regierungen oft die Fakten übertrumpfen“, argumentierte er. „Was die Welt jetzt braucht, ist eine Gegenreformation zum Friedmanismus.“

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