Nobelpreisträger
Ökonomie-Krisengipfel in Lindau

Ab dem heutigen Dienstag diskutieren am Bodensee 17 VWL-Nobelpreisträger und 380 junge Forscher über die Zukunft der Disziplin.

LindauHier veranstaltet der Lindauer "Ansichtskarten- und Briefmarkensammelverein" seine An- und Verkaufsbörse; hier treten Beatles-Revival-Bands auf und Esoterik-Mediziner erklären die "Schicksalsgesetze", hier findet in wenigen Wochen das "Drei-Länder-Wasser-Symposium" statt.

Manchmal haben die Ereignisse, die sich im fensterlosen Vortragssaal der Lindauer Inselhalle abspielen aber auch eine etwas größere Tragweite. Im August 2008 zum Beispiel, beim dritten Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen, kam dort eine internationale Debatte ins Rollen, die die Volkswirtschaftslehre bis heute beschäftigt: Welche Schlüsse muss das Fach aus der Finanz- und Wirtschaftskrise ziehen?

Stiglitz präsentiert neues Modell.

Wenn ab Dienstag 17 Ökonomie-Nobelpreisträger und 380 Nachwuchsforscher aus aller Welt in Lindau zusammenkommen, wird diese Frage abermals im Mittelpunkt stehen. So ist Nobelpreisträger Joseph Stiglitz überzeugt: "Das Bedürfnis nach einer neuen Form ökonomischen Denkens ist drängender denn je. Die Lindauer Tagung bietet eine optimale Gelegenheit, um die Diskussion voranzutreiben."

Die Konferenz am Bodensee ist eine der ungewöhnlichsten ökonomischen Tagungen weltweit. Nirgendwo sonst kann man an einem Ort so viele Ökonomie-Nobelpreisträger gleichzeitig treffen, nirgendwo sonst gibt es so viele und informelle Diskussionen zwischen Laureaten und Nachwuchswissenschaftlern.

Stiglitz wird in Lindau ein neues theoretisches Modell vorstellen, das die Wirtschaftskrise besser erklären soll als die bisher gängigen Ansätze. Darauf ist selbst der Stockholmer Ökonom Peter Englund, der das Auswahlgremium des Ökonomie-Nobelpreises leitet, gespannt: "Ich freue mich sehr darauf, in Lindau neue Ideen zu hören, wie wir ein nachhaltig stabiles Wirtschafts- und Finanzsystem schaffen können."

2008 hatten Stiglitz und andere Nobelpreisträger am Bodensee erstmals argumentiert, die Finanzkrise sei auch eine Krise der Wirtschaftswissenschaften. So, wie die Große Depression in den 30er-Jahren zu einem Paradigmenwechsel in der VWL geführt habe, werde dies jetzt abermals passieren.

Die Frage, in welche Richtung sich die Volkswirtschaftslehre entwickeln sollte, ist seit jeher ein großes Thema in Lindau. 2006 betonte der damalige Bundespräsident Horst Köhler, selbst promovierter Volkswirt, auf der Tagung: "Das Los der Menschheit verbessern - letztlich muss das unser Ansporn und unser Maßstab sein." Wirtschaftswissenschaftler dürften bei ihrer Forschung den Menschen nicht aus den Augen verlieren. Zu den "großen globalen Herausforderungen" zählte Köhler Armut, Klimawandel, soziale Ungleichheit und Migration. In diesem Jahr kommen gleich zwei deutsche Spitzenpolitiker zur Tagung: Bundespräsident Christian Wulff und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Nicht nur die Lehren aus der Finanzkrise, auch die Zukunft der Gesundheits- und Rentenversicherungen in den Industrieländern und die Veränderungen auf den Arbeitsmärkten gehören in Lindau in diesem Jahr zu den großen Themen.

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