Nobelpreisträger Sen
„China und Indien waren vernünftiger“

Die Finanzkrise hat Regierungen auf der ganzen Welt vor große Herausforderungen gestellt. Die Schwellenländer haben darauf besser reagiert, findet Amartya Sen, Nobelpreisträger von 1998. Warum China, Indien und Brasilien vernünftiger waren als viele andere, erklärt Sen im Handelsblatt-Interview.
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Handelsblatt: Herr Sen, hilft die Finanzkrise den Ökonomen , die Welt besser zu verstehen?

Amartya Sen: Ich denke, viele Ökonomen haben dadurch ein neues Verständnis der Realität gewonnen. In den vergangenen 20 Jahren haben viele von ihnen gedacht, die Marktwirtschaft sei eine perfekte Welt. Und das ist sie nicht. Sie haben auch gedacht, dass Märkte sich immer wieder selbst korrigieren können. Doch das können sie nicht.

Trifft das Umdenken auf die gesamte Zunft der Ökonomen zu?

Nein, es trifft vor allem auf die Gruppe zu, die großes Vertrauen in Märkte hatte, nicht auf die, die immer schon skeptischer waren.

Handeln die Regierungen richtig, um aus der Krise herauszukommen?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich denke, China, Indien und Brasilien haben gezeigt, dass sie die wirtschaftliche Situation besser verstehen als einige westliche Länder.

Welche westlichen Länder meinen Sie?

Großbritannien zum Beispiel macht einen großen Fehler, wenn es gerade jetzt, trotz hoher Arbeitslosigkeit, sein Haushaltsdefizit drastisch einschränkt. Das bedeutet eine unnötige Härte für die Arbeitslosen und bedroht das Wachstum.

Aber wächst den Briten das Defizit nicht über den Kopf, wenn sie es nicht jetzt bekämpfen?

Klar, sie müssen irgendwann sparen, aber nicht jetzt so stark. Es geht in der Ökonomie nicht nur darum, was zur Besserung notwendig ist, sondern auch um das richtige Timing. Die Briten sollten warten, bis das Wachstum zurückkehrt. Ihre heutige Politik hat vor dem Hintergrund hoher Arbeitslosigkeit, niedriger Inflation und schwachem Wachstum keinen Sinn.

Wie beurteilen Sie die deutsche Politik?

Die Deutschen sind entspannter als die Briten, und das ist gut so. Allerdings sind die Probleme in Deutschland auch nicht so groß.

Und was halten Sie von der amerikanischen Politik?

Die US-Regierung schätzt die Situation besser ein als die britische. Präsident Barack Obama will den richtigen Weg gehen, aber ihm weht der politische Wind ins Gesicht. Sogar bei manchen Demokraten, also Leuten seiner eigenen Partei, stößt er auf Widerstand.

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  • Hypo"ir"Real-Estate-Zusammenbruch und bayernLb-Finanzdesaster kosten Deutschlands Steuererwirtschafter weit über 200 Milliarden Euro, wenn's denn langt..? beide "Finaziers" sind in München angesiedelt und so fast in Gehnähe zur Staatskanzlei Seehofers, der als letzter "csu-gescheiterter-verzwergter" (nach Dr. P. Gauweiler, csu)von drei innerparteilich gemeuchelten Ministerpräsidenten gerade mit ansehen muss, wie Staatsanwälte gegen ihn und korrupte Polizisten Haftbefehle ausstellen lassen. Schwerste Menschenrechtsverletzungen in bayerns csu-Psychiatrien mit rund 51 ungeklärten Todesfällen, polizei-gerürkten "Tätern" von Kapitaldekikten und rund 350 Titelmissbrauchern in Therapeutenkluft hätten - wären sie in indien, China oder vor allem brasilien ans Tageslicht gekommen, einen internationalen Aufschrei erster Güte zur Folge gehabt, oder?

    Nun schwappen diese Fakten in die Medien. Nur beim Münchner Merkur tut man noch so, als sei "Olympia 2018" sicher in csu-Hand.

    Nach über acht Monaten in brasilien kann ich mit aller Deutlichkeit feststellen: bayerns stinkende Zwerg-csu ist vielmals korrupter als das oft so - gerade von Nichtkennern der Verhältnisse vor Ort - geschmähte brasilien. Dort bommen Wirtschaft, Kultur und Toleranz. Typen wie der schlägkräftige Augsburger Ex-bischof Mixa und andere Kinderschänder in der Robe allerding, das sage ich ebenso, wären in brasilien evtl. eher auf der Straße von den Opferfamilien-Freunden umgelegt worden - als dass man sie der Gerichtsbarkeit überlassen hätte... insofern werden auch China und indien ihren Weg in eine plurale, zunehmend tolerante und gerechter strukturierte Gesellschaft als bisher weitergehen.

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