Öko-Lifestyle
Protzen mit dem Prius

Der Umweltschutz ist zum Statussymbol geworden. Die Menschen geben für Öko-Produkte viel Geld aus - um anzugeben. Die Politik kann diesen Effekt nutzen.

KölnSchneller als 180 Studenkilometer fährt der Wagen nur, wenn es bergab geht. Seine 136 PS ernten bei Auto-Verrückten Mitleid, und sein Aussehen gilt als hochgradig gewöhnungsbedürftig.

Die Rede ist vom Toyota Prius, dem ersten erfolgreichen Hybridauto. Branchenkenner vermuten schon lange: Erfolgreich ist der Wagen nicht trotz, sondern wegen seines eigenwilligen Aussehens - jeder, der einen Prius fährt, kann damit sein Umweltbewusstsein zur Schau stellen.

Die Zeiten, in denen der Begriff "Öko" ein Schimpfwort war, sind lange vorbei. Für weite Teile der Mittelschicht ist umweltbewusster Konsum längst ein Statussymbol - immer mehr Menschen geben ordentlich an mit ihrem Hybridwagen, den Solarzellen auf dem Häuserdach und dem demonstrativen Gang in den Bio-Supermarkt.

Ökonomen haben für das Phänomen längst einen Fachausdruck: "competitive altruism", Wettbewerb um selbstloses Auftreten. Immer mehr Menschen machen mit bei diesem Wettkampf der Weltenretter - und die Politik kann dieses Phänomen nutzen.

So zeigen Studien, dass Menschen in Wohngebieten mit vielen umweltbewussten Nachbarn höhere Preise zu zahlen bereit sind. Beim Energiesparen geben wir uns mehr Mühe, wenn wir den Verbrauch unserer Nachbarn kennen und wissen, dass unser Stromverbrauch veröffentlicht wird."

Je nachdem, in welchem Umfeld Konsumenten wohnen, sind sie dazu bereit, mehrere Tausend Euro auszugeben, um ihr hohes Umweltbewusstsein zu signalisieren", schreiben die Berkeley-Ökonomen Alison und Steven Sexton. Dem amerikanischen Zwillingspaar ist es gelungen, die Öko-Angeberei anhand des Hybridautos Prius von Toyota empirisch nachzuweisen.

Um herauszufinden, ob es den Prius beliebter macht, dass er direkt als Öko-Auto zu erkennen ist, analysierten sie, in welchen Regionen der USA das Auto besonders verbreitet ist. Sie überprüften Zulassungsdaten von acht Millionen Fahrzeugen und verglichen sie mit dem Ausmaß des Umweltbewusstseins in der Region. Als Indikator dafür verwendeten sie die Ergebnisse der Präsidentenwahl von 2008 - Demokraten gelten als umweltbewusster als Republikaner.

Wenig überraschend ist, dass umweltfreundliche Fahrzeuge in Hochburgen der Demokraten beliebter sind. Doch die Forscher stellten zudem fest: Je höher das Öko-Bewusstsein, desto beliebter ist der Prius auch im Vergleich zu anderen Hybridfahrzeugen. Und das, obwohl der Prius kaum effizienter ist als die meisten seiner Öko-Konkurrenten.

Der Wille zum Umweltschutz allein kann also nicht erklären, warum der Prius im Vergleich zu anderen Hybrid-Autos so viel besser abschneidet. Prius-Fahrer wollten bei den Nachbarn Eindruck schinden, vermuten die Ökonomen.

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