Ökonomen-Tagung: Wie die Geldpolitik der Zukunft aussieht

Ökonomen-Tagung
Wie die Geldpolitik der Zukunft aussieht

In San Diego debattieren Ökonomen über die Lehren aus der Finanzkrise. Neben der Suche nach einer neuen Geldpolitik widmen sie sich der Frage, wie sich Schulden- und Konjunkturkrisen gleichzeitig lösen lassen.

San DiegoDie Aussage fiel wohl ehrlicher aus als ursprünglich geplant: "Die letzten zehn Jahre haben gezeigt, wie wenig wir eigentlich wissen über die Ökonomie", sagte Donald Kohn, der frühere Vizechef der US-Zentralbank (Fed), bei der Jahrestagung der American Economic Association in San Diego. Viele Zusammenhänge, die unter Geldpolitik-Forschern als gegeben galten, würden zurzeit schlichtweg nicht mehr stimmen.

Die Frage, welche Lehren zu ziehen sind aus den Krisen der letzten fünf Jahre, stand im Mittelpunkt der weltweit größten Ökonomentagung. Denn nicht nur die Zentralbank-Forscher müssen Neuland betreten - und überlegen, wie wirksame Geldpolitik funktionieren kann, wenn die Leitzinsen schon bei null angekommen sind. Auch die Makroökonomen stehen vor der Frage, wie sich eine Schulden- und eine Konjunkturkrise gleichzeitig lösen lassen. Als wollten sie ihre Fehler der Vergangenheit vergessen machen, haben sich die Forscher zuletzt in die Arbeit gestürzt: Die Zahl der Veröffentlichungen hierzu ist massiv angestiegen.

Zu den inzwischen verworfenen Überzeugungen der Geldpolitik-Forschung gehört etwa die, dass das Finanzsystem umso stabiler ist, je mehr die Institute miteinander vernetzt sind. Bisher sei man davon ausgegangen, dass eine strauchelnde, gut vernetzte Bank keine andere mit in die Tiefe reiße, da der Schaden ja auf alle Partner gestreut werde, sagte Janet Yellen, Vizepräsidentin der Fed. "Die Finanzkrise hat gezeigt, dass diese Idee unzureichend ist." Denn durch die Vernetzung werde das System komplexer - und das Systemrisiko eher größer. In Zukunft müssen amerikanische Institute den Behörden daher deutlich mehr Daten zur Verfügung stellen. Zwar wisse man noch nicht allzu viel über die Wirkung der neuen Regulierungspolitik, so Yellen, "doch das ist keine Rechtfertigung dafür, nichts zu tun".

Auch dass die Zentralbanken zurzeit beherzt handeln - und neue Maßnahmen mit unbekannten Folgen wie die sogenannte "quantitative Lockerung" ausprobieren - scheint eine Lehre aus Fehlern vergangener Zeiten zu sein. Das zeigt eine Studie der Berkeley-Forscher David und Christina Romer: Demnach ist gerade die amerikanische Zentralbank in ihrer genau 100-jährigen Vergangenheit zweimal zur falschen Zeit in eine Schockstarre gefallen - jedes Mal aus Angst, das Falsche zu tun.

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