Ökonomen vs Naturwissenschaftler
Die zwei Gesichter des Klimaschutzes

Ökonomen und Naturwissenschaftler leben in zwei verschiedenen Welten - diese These bestätigte sich auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) in der vergangenen Woche in Magdeburg. Die Botschaften klafften so weit auseinander, dass man sich als Zuhörer fragen konnte, ob wirklich über das gleiche Thema geredet wurde.
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MAGDEBURG. Zum Thema Klimaschutz hatte die wichtigste deutschsprachige Ökonomen-Vereinigung unter anderem den Kieler Meeresbiologen Mojib Latif und den Dubliner Umweltökonomen Richard Tol als Keynote-Redner eingeladen.

Der Kieler Latif zeichnete ein überaus düsteres Klimaszenario: Wenn die Menschheit weitermache wie bisher, werde es bis zum Ende des Jahrhunderts eine dramatische Entwicklung geben - die weltweite Durchschnittstemperatur dürfte um vier Grad Celsius steigen. Weil es über den Ozeanen stets kühler sei, bedeute dies für das Festland eine Erwärmung um sechs Grad.

Die aktuellen Prognosen würden das Problem eher unter- als übertreiben, betonte der Meeresbiologe. "Im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte sind unsere Modelle eher konservativ." Kernursache des Klimawandels sei ein Mangel an Nachhaltigkeit: "Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber, was unser Handeln für die nachfolgenden Generationen bedeutet." Klimaschutz sei nicht nur eine Frage von ökonomischen Kosten-Nutzen-Kalkül, sondern auch eine "Frage der Ethik", betonte Latif.

Der in Dublin forschende Umweltökonom Richard Tol stellte den Stand der Dinge ganz anders da. "Wem Korallenriffe und Schmetterlinge am Herzen liegen, der muss sich wegen des Klimawandels wirklich ernsthafte Sorgen machen." Spezielle Tierarten kämen durch die Erderwärmung "massiv unter Druck". Wem es aber um den Gesamtzustand des Planeten gehe, der könne dem Klimawandel gelassen ins Auge sehen. "Der Klimawandel ist zwar real, aber die gegenwärtigen Weltuntergangsszenarien sind angesichts der wissenschaftlichen Schätzungen zu den Folgen des Klimawandels nicht gerechtfertigt." Besonders pessimistisch seien Studien, die keiner wissenschaftlichen Qualitätskontrolle unterlägen - und solche, die viele Jahre alt seien. "Neuere Studien zeigen, dass die Probleme nicht so groß sind, wie sie vor zehn oder 15 Jahren erschienen."

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