Ökonomenstreit
Kölner Volkswirte bleiben hart

Die Volkswirte der Universität Köln halten trotz massiver Kritik an der geplanten Neuausrichtung ihrer Fakultät fest. Indes haben der IHK und Unternehmer ihre Kritik an dem Systemwandel erneuert – sie kritisieren den mangelnden Praxisbezug der Neuausrichtung.
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KÖLN. „Wir sind als Universität in erster Linie der Wissenschaft verpflichtet“, betonte der Kölner Ökonomie-Professor Axel Ockenfels Ende vergangener Woche vor rund 400 Studenten auf einer Podiumsdiskussion der Uni. Es sei ihre Aufgabe, erstklassige Wissenschaftler zu berufen und nicht in erster Linie wirtschaftspolitische Berater, sagte Ockenfels und fügte hinzu: „Es kann nicht sein, dass Leute, die mit Forschung schon lange nichts mehr zu tun haben, uns sagen wollen, wer als Professor infrage kommt und wer nicht.“

Ockenfels Fakultätskollege Achim Wambach ergänzt: Bei der Auswahl des Forschungspersonals werde sich die Uni auch in Zukunft und stärker als früher an internationalen wissenschaftlichen Standards orientieren. Die Uni wolle aber wirtschaftspolitische Beratung keineswegs aufgeben.

Um die Personalpolitik der Kölner Volkswirte tobt seit Monaten ein heftiger öffentlicher Streit, der eine bundesweite Debatte über die richtige Ausrichtung der VWL ausgelöst hat. Im Kern geht es darum, ob sich das Fach zu sehr vom wirklichen Leben entfernt hat und zu viel Wert auf Theorie und mathematische Methoden legt. In zwei gegensätzlichen öffentlichen Aufrufen haben sich mehr als 270 Ökonomie-Professoren in die Diskussion eingeschaltet: 83 teilen die Kritik, 188 stärken der Fakultät dagegen den Rücken.

Die Uni Köln stand lange in der Tradition der ordoliberalen Wirtschaftspolitik, die mathematische Methoden und Modelle skeptisch sieht und eher normativ-philosophisch ausgerichtet ist. Zurzeit will die Uni Köln sechs vakante Professorenstellen zu einem Forschungsschwerpunkt für Makroökonomie zusammenfassen. Darunter sind mehrere traditionsreiche Lehrstühle, die jahrzehntelang auf das Thema Wirtschaftspolitik spezialisiert waren. Kritiker sehen die Pläne der Kölner als Ende dieser Epoche. Zu den heftigsten Gegnern der Neuausrichtung gehören die emeritierten Kölner Wirtschaftspolitik-Professoren Hans Willgerodt (85) und Christian Watrin (78), aber auch einflussreiche Vertreter aus Unternehmen und Verbänden.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zeige, wie problematisch die rein mathematische Betrachtung ganzer Volkswirtschaften sei, sagte Werner Görg, Vizepräsident der Kölner IHK und Vorstandschef der Gothaer Versicherung, am Freitag auf einer Podiumsdiskussion der Kölner IHK zu dem Thema. Die Welt sei zu komplex, als dass sie sich in formalen Modellen abbilden und analysieren lasse. Nötig sei daher eine „Rückbesinnung auf die ordnungspolitische Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre“ – auch und gerade an der Uni Köln. „Eine Universität mit hohem Praxisbezug ist ein wesentlicher Standortvorteil“, sagte Görg. Die Hochschule solle daher bei ihrer Personalpolitik auch auf die Wünsche der ortsansässigen Wirtschaft hören.

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