Ökonomie: Gustav-Stolper-Preis für Ernst Fehr

Ökonomie
Gustav-Stolper-Preis für Ernst Fehr

Er ist weit und breit der einzige deutschsprachige Volkswirt, dem Fachkenner in absehbarer Zeit ernsthaft den Ökonomie-Nobelpreis zutrauen: Ernst Fehr, Professor für Ökonomie an der Universität Zürich. Am Donnerstag erhielt er den Gustav-Stolper-Preis des Verein für Socialpolitik.
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KIEL. Er ist weit und breit der einzige deutschsprachige Volkswirt, dem Fachkenner in absehbarer Zeit ernsthaft den Ökonomie-Nobelpreis zutrauen: Ernst Fehr, Professor für Ökonomie an der Universität Zürich und einer der Pioniere auf dem Gebiet der experimentellen Wirtschaftsforschung und der Neuro-Ökonomie. Im vergangenen Jahr stand der Name des 54-jährigen einer von sieben auf der Liste potenzieller Preisträger, die der Informationsdienstleister Thomson Reuters veröffentlichte.

Der Verein für Socialpolitik (VfS), in dem sich die VWL-Professoren aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz organisieren, ist dem schwedischen Nobelpreis-Komitee am Donnerstag zuvorgekommen: Auf der VfS-Jahrestagung in Kiel erhielt Fehr am Abend den mit 5000 Euro dotierten Gustav-Stolper-Preis.

Damit ehrt der Verein seit 2007 Volkswirte, die mit ihrer Arbeit die öffentliche Diskussion über ökonomische Themen beeinflusst haben. Über den Preisträger stimmen die Mitglieder des VfS im Vorfeld der Tagung im Internet ab. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den Bonner Ökonomen Martin Hellwig.

Fehr hat in zahlreichen ökonomischen Experimenten gezeigt, dass reale Menschen in wirtschaftlichen Entscheidungssituationen oft nicht so agieren, wie es Volkswirte in ihren Modellen unterstellen: Wir verhalten uns bei weitem nicht so egoistisch, haben einen Hang zur Fairness und zur Kooperation. Fehr hat dafür den Begriff der „sozialen Präferenzen“ geprägt. Zusammen mit dem Münchener Ökonomie-Professor Klaus M. Schmidt hat Fehr im Jahr 1999 eines der ersten theoretischen Modelle entwickelt, das dieses Verhalten mit dem für Volkswirte üblichen Instrumentarium erklären kann.

Dieser Aufsatz ist eine der am häufigsten zitierten volkswirtschaftlichen Arbeiten der letzten zehn Jahre. Derzeit konzentriert sich Fehr hauptsächlich auf neuro-ökonomische Forschung: Gemeinsam mit Hirnforschern geht er der Frage nach, welche neurologischen und biologischen Grundlagen unser ökonomisches Verhalten hat. „Ernst Fehr hat in den letzten zehn Jahren ein unglaublich vielfältiges und tiefes wissenschaftliches Werk vorgelegt“, sagte der VfS-Vorsitzende Lars Hendrik Röller am Donnerstag in Kiel. „Er ist nicht nur einer der produktivsten, sondern auch der meistzitierte deutschsprachige Ökonom.“

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