Ökonomie
Liberaler Analytiker mit sozialer Ader

Er gehört zu den wichtigsten Köpfen der Weltökonomie: Tito Boeri tritt für eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ein und fordert gleichzeitig ausreichende Sozialsysteme zur Absicherung. Der angesehene Akademiker gibt sich volksnah. Ein Porträt.
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MAILAND. Nicht links, nicht rechts, sondern liberal und analytisch. So sieht sich wohl Tito Boeri, der Ökonom der renommierten Mailänder Privatuniversität Bocconi, unter anderem Research Fellow des CEPR (Center für Economic Policy Research) und Direktor der Stiftung De Benedetti. Er gehört in Italien zu den bekanntesten Gesichtern seiner Zunft und beteiligt sich aktiv an den öffentlichen Debatten zu aktuellen Themen.

Als Professor an der Bocconi-Universität ist er spezialisiert auf das Thema Arbeitsmarkt. Der 51-Jährige hat nach seinem Abschluss an der Bocconi-Universität und seiner Promotion in Ökonomie an der New York University zunächst als Senior Economist für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD gearbeitet.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion spezialisierte er sich dort vor allem auf die Arbeitsmarktpolitik in den osteuropäischen Ländern. Auch heute beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit den Themen Arbeitsmarkt, Sozialsysteme und Immigration. Als Direktor leitet er die Stiftung Fondazione Rodolfo Debenedetti, die Arbeitsmarkt, Immigration, Ungleichheit, Sozialsysteme und Rentensysteme erforscht.

Der Ökonom hat als Berater des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der EU-Kommission, der International Labour Organisation ILO und der italienischen Regierung gearbeitet. Doch Boeri scheut als Wissenschaftler und Berater nicht den Kontakt zur realen Welt und nimmt in der öffentlichen Diskussion als Populärwissenschaftler Stellung zu den verschiedenen aktuellen Themen: Er kommentiert die Vorschläge des jüngsten G8-Treffens im Radio ebenso wie den Ausgang der Wahlen. Er nimmt die Haushaltspläne der amtierenden Regierung gnadenlos auseinander und wirft ihr vor, die offensichtliche Krise zu verleugnen.

Er rechnet vor, wie teuer die Rettung von Alitalia den Steuerzahler kommt und äußert sich in den Haupt-Fernsehnachrichten TG1 zur Arbeitslosigkeit und in seiner festen Kolumne in der Tageszeitung La Repubblica zu den verschiedenen wirtschaftspolitischen Themen der Zeit. Tito Boeri gilt als liberaler Ökonom, dem als solcher eher Sympathien mit der aktuellen Opposition und eventuell auch politische Ambitionen nachgesagt werden. Dennoch ging er in der Vergangenheit auch mit dem damaligen Finanzminister von Ro-mano Prodi, Tommaso Padoa-Schioppa, hart ins Gericht.

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