Ökonomie-Nobelpreis
Nach dem Preis ist vor dem Preis

Quasi zeitgleich mit der Bekanntgabe der Preisträger des Jahres 2006 beginnt – wie in den anderen Fachrichtungen auch – die Suche nach den Laureaten für das Jahr 2007. Wie wird man eigentlich Ökonomie-Nobelpreisträger?

Keine E-Mails! Für das achtköpfige Komitee, das im Auftrag der schwedischen Akademie der Wissenschaften die Kandidaten für den Ökonomie-Nobelpreis aussucht, ist dies eines der wichtigsten Arbeitsprinzipien. „Unsere gesamte Korrespondenz läuft per Post oder per Kurier-Dienst“, erzählt Peter Englund, Finance-Professor aus Stockholm und Vorsitzender des Gremiums. „Das Risiko, aus Versehen eine vertrauliche Mail zum nächsten Laureaten an einen falschen Adressaten weiterzuleiten, ist uns zu einfach groß.“

Das Verfahren, mit dem die Wirtschaftswissenschaftler für die mit Abstand renommierteste Auszeichnung des Fachs ausgesucht werden, ist ausgesprochen aufwändig. Quasi zeitgleich mit der Bekanntgabe der Preisträger des Jahres 2006 beginnt – wie in den anderen Fachrichtungen auch – die Suche nach den Laureaten für das Jahr 2007: Im Oktober eines jeden Jahres verschickt das Auswahl-Komitee an rund 2000 Wirtschaftswissenschaftler in aller Welt Briefe mit der Bitte, potenzielle Preisträger vorzuschlagen.

Denn ohne Nominierung durch einen Dritten hat auch der einflussreichste Forscher keine Chance, den „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis in Wirtschaftswissenschaften“ zu bekommen. Vorschlagsberechtigt sind alle bisherigen Laureaten sowie sämtliche Wirtschaftswissenschaftsprofessoren Skandinaviens. Auch führende Ökonomen und Ökonomie-Fakultäten auf allen Kontinenten werden aus Stockholm um Vorschläge gebeten. „Die Rücklaufquote liegt zwischen 15 und 20 Prozent“, berichtet Englund. „Jedes Jahr haben wir rund 300 Nominierungen, aus denen wir auswählen können.“

Parallel dazu lässt sich das Auswahl-Komitee, das von der schwedischen Akademie der Wissenschaften berufen wird, jedes Jahr von weltweit führenden Volkswirten Dossiers anlegen über wichtige Fachrichtungen sowie über einzelne Forscher-Persönlichkeiten. „Wir diskutieren kontinuierlich, was preiswürdige Leistungen sind uns was nicht“, berichtet Englund.

Im Januar diskutiert das Auswahl-Komitee dann zum ersten Mal konkrete Namen. Englund: „Wir fangen mit einer langen Liste an, die im Laufe der Monate immer kürzer wird.“ Vor dem Sommer übermittelt das Gremium der Wissenschaftsakademie dann eine Art „Short List“, über die in einem zweistufigen Verfahren im August und September entschieden wird. Die Akademie der Wissenschaften ist an die Vorschläge des Auswahlgremiums jedoch nicht gebunden – sie kann entweder einen anderen Preisträger küren oder sich theoretisch auch komplett gegen die Vergabe des Preises aussprechen.

Spekulationen, dass politische Überlegungen bei der Wahl der Preisträger eine Rolle spielen, weist Englund entschieden zurück. „Im Auswahlkomitee stellen wir uns nur eine Frage: Was sind die wichtigsten und einflussreichsten wissenschaftlichen Arbeiten?“ Bei der Auswahl der Disziplinen und Laureaten sei das Komitee „risikoavers“, erklärt Englund.

Daher vergehen in aller Regel Jahrzehnte, bis eine neue Idee oder Methode mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet wird. „Das Auswahlkomitee steht vor einer schwierigen Abwägung. Einerseits wollen wir, dass der Preis aktuell ist und Einfluss darauf hat, was in der ökonomischen Profession als wichtig angesehen wird“, betont der Stockholmer Ökonom. „Andererseits wollen wir vermeiden, dass wir etwas prämieren, was sich später als unwichtig oder sogar falsch herausstellt.“

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