Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen in Lindau
Nobelpreisträger: Regulierer schuld an Finanzkrise

Wer ist Schuld an der Finanzkrise? Nach Ansicht mehrerer Ökonomie-Nobelpreisträger ist das Versagen der Banken-Regulierung hauptverantwortlich für die schlechte Situation der Märkte. Besonders schlecht kommt US-Notenbank-Chef Alan Greenspan weg.

Das Versagen der Banken-Regulierung ist nach Ansicht mehrerer Ökonomie-Nobelpreisträger hauptverantwortlich für die derzeitige Finanzkrise. Vor allem der ehemalige amerikanische Notenbank-Chef Alan Greenspan habe sich zu sehr auf die Selbstreinigungskräfte des Marktes verlassen, kritisierte der New Yorker Ökonomie-Professr Joseph Stiglitz am Donnerstag Vormittag auf dem dritten Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen in Lindau.

Noch bis Samstag diskutieren 14 Nobelpreisträger am Bodensee mit 300 Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt. Die Finanzkrise ist eines der zentralen Themen der Konferenz.

„Wenn sie Leute mit der Regulierung beauftragen, die von Regulierung nichts halten, ist das das Ergebnis", sagte Stiglitz. „Greenspan hat die Rolle, die der Staat spielen muss, damit Märkte funktionieren können, ignoriert", kritisierte der Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2001. "Das hat dazu geführt, dass das Finanzsystem Risiken nicht gemanagt hat, sondern dass es Risiken erzeugt hat."

Auch der kalifornische Ökonom Daniel McFadden macht schlechte Finanzmarkt-Regulierung für die Finanzkrise verantwortlich. Allerdings trage die Wirtschaftswissenschaft, die das geistige Fundament dafür gelegt habe, eine Mitschuld. „Wir müssen uns heute fragen, ob das große Vertrauen, dass die Wirtschaftswissenschaft auf das effiziente Funktionieren von Märkten gesetzt hat, richtig war." Er sprach sich für die Schaffung einer Aufsichtsbehörde aus, die die Sicherheit von Finanzprodukten prüft und ohne deren Plazet keine Finanzprodukte mehr vertrieben werden dürften. Diese Behörde sollte auf dem Finanzmarkt eine ähnliche Rolle spielen, wie es die „Federal Drug Administration" auf dem Markt für Arzneimittel spielt.

Der kanadische Ökonom Myron Scholes, der 1997 den Ökonomien-Nobelpreis erhielt, warnte allerdings vor übereilten Schlüssen: „Wir müssen die Vor- und Nachteile von neuer staatlicher Regulierung sorgfältig gegeneinander abwägen. Sonst besteht die Gefahr, dass wir mehr Schaden als Nutzen anrichten", betonte er. Noch hätte die Wirtschaftswissenschaft die genauen Ursachen der Krise nicht genau genug verstanden.

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