Ökonomie-Seminar
Wie man Schüler für Wirtschaft begeistert

Er ist ein großer Anhänger des aktiven Lernens, seit mehr als 20 Jahren lockert US-Professor Bell seine Ökonomie-Seminare mit praktischen Versuchen auf. Nun schickt Bell seine Studenten in Schulen – dort erklären sie anhand von Experimenten, wie die Wirtschaft funktioniert.
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ASHEVILLE. Im Klassenraum 225 geht es zu wie auf dem Börsenparkett. „Sell“, rufen die Kinder und „buy“, während sie hektisch zwischen den blauen und gelben Tischen herumlaufen. „Bist du ein Käufer?“ fragt ein kleines Mädchen einen blonden Jungen. Als der nickt, fragt sie weiter: „Zehn Dollar?“ Doch der zieht nur einen Flunsch und lässt sie stehen. „Sell“, brüllt die Kleine da wieder, „sell!“

Das Chaos ist das Werk von Chris Bell, Ökonomieprofessor an der University of North Carolina in der 70 000-Einwohner-Stadt Asheville. Schon seit Jahren führt er mit Kindern kleine wirtschaftswissenschaftliche Experimente durch. Nun hat er die Innovation noch weiterentwickelt und schickt seine Studenten in die Klassenzimmer. Heute steht er nur als Beobachter dabei, während sich Jesse Robert, 21, und Adam Laucher, 29, beide in hellblauen Hemden, redlich mühen, in Raum 225 wieder Ruhe herzustellen.

Für ihr Experiment haben sie sich die „Evergreen Community Charter School“ in einem Vorort von Asheville ausgesucht. 16 Kinder, im Durchschnitt elf Jahre alt, besuchen dort eine Mathematikklasse für Fortgeschrittene. Heute jedoch erhalten sie eine Lektion über die Vorteile und Tücken des freien Handels. Zu Beginn händigen Jesse und Adam jedem Kind verdeckt eine Karte aus, die ihm eine Rolle als Käufer oder Verkäufer zuweist. Außerdem ist darauf ein Limit vermerkt, das die Transaktion nach oben und unten begrenzt. Dann müssen sich die Kinder einen Partner suchen und verhandeln. Wer es schafft, einen höheren Preis zu erzielen als auf der Karte vermerkt, erhält die Differenz in Süßigkeiten ausgezahlt.

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