Ökonomie
Volkswirte errechnen den Wert von Ökosystemen

Die Natur als Dienstleister des Menschen: Um die Ausbeutung der Natur im Dienste privater Interessen zu verhindern, fordern deutsche Forscher eine strikte Verursacherhaftung mit Zahlungen für die Nutzung von Ökosystemen. Welche Vorteile die Ökonomisierung von Ökosystemen mit sich bringt - und wo die Grenzen liegen.
  • 0

DÜSSELDORF. Eine wirtschaftliche Bewertung von Ökosystemen kann nach Ansicht deutscher Forscher eine bessere Balance zwischen privaten und kollektiven Interessen an der Nutzung der Natur befördern. Der Ökonom Pavan Sukhdez und Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig haben jetzt eine Studie im Auftrag der Vereinten Nationen und der Europäischen Kommission vorgestellt, in der sie aktuelle Methoden für eine solche Bewertung präsentieren. In der Studie mit dem Titel "Die Ökonomie der Ökosysteme und der Biodiversität" plädieren die Forscher für eine neue Umwelt-Wirtschaftspolitik.

Die Studie ist ein weiterer Versuch, das Bruttoinlandsprodukt durch andere Methoden zur Messung des volkswirtschaftlichen Erfolges zu ergänzen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat angekündigt, Frankreich werde künftig Faktoren wie die Unberührtheit der Natur und kulturelle Werte in die Wohlstandsmessung einbeziehen. Auf Einladung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) diskutierten jüngst Ökonomen aus aller Welt über eine solche Reform auf internationaler Ebene.

Die Natur als Dienstleister

Ähnlich wie der britische Ökonom Nicholas Stern mit seinem aufsehenerregenden Report von 2006 zu den ökonomischen Folgen des Klimawandels fassen die Leipziger Autoren die Natur als Dienstleister des Menschen auf. Und wie Stern erkennen sie ein Marktversagen: Die Dienste der Natur kosten nichts. Ihre Ausbeutung im Dienste privater Interessen bringt aber kollektiven Schaden mit sich. Um diesen zu verhindern oder zu reparieren, fordern Sukhdev und seine Mitautoren die Einführung einer strikten Verursacherhaftung mit Zahlungen für die Nutzung der Ökosysteme. Dafür müssten diese Dienstleistungen der Natur aber zunächst ökonomisch bewertet werden.

Dazu messen die Forscher etwa die negativen Auswirkungen der menschgemachten Veränderungen an Ökosystemen auf den Wohlstand der Menschen. Sie nennen ein Beispiel aus Thailand. Dort brachte die Umwandlung von Mangrovenwäldern in Shrimpsfarmen den Besitzern einen Privatgewinn von mehr als 1 200 Dollar pro Hektar, wozu 8 400 Dollar staatliche Subventionen kamen.

Seite 1:

Volkswirte errechnen den Wert von Ökosystemen

Seite 2:

Kommentare zu " Ökonomie: Volkswirte errechnen den Wert von Ökosystemen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%