Ökonomische Lage in Deutschland
An der Weltwirtschaft kommt niemand vorbei

Autoren wie Joachim Jahnke und Hans Mundorf analysieren die ökonomische Lage in Deutschland: Mit ihren Lösungsvorschlägen machen sie es sich aber etwas zu einfach.

DÜSSELDORF. Das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ist nicht zum Besten bestellt. Bei geringem Wachstum gibt es nicht mehr so viel zu verteilen wie in der Vergangenheit. Der zum Teil drastische Stellenabbau in der Industrie trägt auch nicht zur Klimaverbesserung bei.

Die Gewerkschaften wehren sich mit Nachdruck gegen eine Fortsetzung des Sparkurses und drängen auf Lohnerhöhungen. Ihr Hauptargument: Nur wenn die Kaufkraft steige, könne es mit der Wirtschaft aufwärts gehen. Und der andere wichtige Punkt der Arbeitnehmerseite: Deutschland glänzt als Exportweltmeister. Deshalb könne es um die deutsche Wirtschaft gar nicht so schlecht stehen.

Um diese Thesen zu belegen, hat die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung eine Schriftenreihe aufgelegt. Autoren, die meist nicht aus dem Gewerkschaftslager kommen, präsentieren darin Konzepte zur Ausrichtung der deutschen Wirtschaft. Von Joachim Jahnke stammt das Buch „Falsch globalisiert“. Der frühere Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London kritisiert eine aus seiner Sicht kolossale Fehlentwicklung. „Die übermäßige deutsche Exportorientierung schmälert über die dafür eingeforderte und durchgesetzte Lohndisziplin die Kaufkraft, schädigt die Binnenkonjunktur schwer und treibt die Arbeitslosigkeit hoch“, schreibt der Experte.

In eine ähnliche Richtung argumentiert Hans Mundorf, früheres Mitglied der Chefredaktion des „Handelsblatts“. In seiner Streitschrift „Nur noch Markt, das ist zu wenig“ nimmt er besonders die deutsche Einbindung in die Europäische Union ins Visier. „Die amtierende Bundesregierung und die Opposition glauben gleichermaßen, die über den Euro importierte Krise über Konsumverzicht, Sozialabbau, Reduzierung staatlicher Aufgaben und Leistungen zu reduzieren“, schreibt er.

Jahnke wie Mundorf schlagen sich auf die Seite der Gewerkschaften und fordern die Stärkung der Binnenkonjunktur. Dieses Ansinnen ist löblich. Einen starken Konsum könnte die deutsche Volkswirtschaft brauchen.

Doch der Weg, den die Autoren vorschlagen, führt nicht in die richtige Richtung. Mit einer Abkehr vom Export wird Deutschland nicht zu helfen sein. Wir sind darauf angewiesen, unsere Einbindung in die Weltwirtschaft aufrechtzuerhalten. Der Export sichert unseren Wohlstand. Damit nämlich sind wir in der Lage, den Import von Energie und anderen Rohstoffen zu finanzieren.

Die Autoren erwecken den Eindruck, als könne Deutschland als ökonomische Insel geführt werden, die sich für die Entwicklungen der Weltwirtschaft nicht interessieren müsse. Schön wär’s!

JOACHIM JAHNKE:
Falsch globalisiert
VSA-Verlag, Hamburg 2006
232 Seiten, 14,80 Euro

HANS MUNDORF:
Nur noch Markt, das ist zu wenig
VSA-Verlag, Hamburg 2006
216 Seiten, 14,80 Euro

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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