Optimierung von Arbeitsabläufen
Zerstreuter Professor – das war einmal

Ernst Fehr ist Experimentalökonom und einer der angesehensten europäischen Wirtschaftswissenschaftler. Seine Arbeitsabläufe hat er jetzt von Unternehmensberatern optimieren lassen. Das Handelsblatt blickt hinter die Kulissen.
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ZÜRICH. Ernst Fehr ist ein knappes Gut. Darauf deuten nicht nur die Papierstapel auf seinem überfüllten Schreibtisch hin. Seinen Besucher empfängt der Ökonomie-Professor während der Mittagspause über einer Plastikbox Sushi. "Ich bin etwas unter Zeitdruck", entschuldigt sich der Österreicher, der in Zürich arbeitet.

Vorsichtig tunkt er den rohen Fisch mit den Stäbchen in die Sojasoße, dabei erzählt er von seinen Zeitnöten - und davon, wie er sie mit wissenschaftlicher Akribie in den Griff bekommen will. Um sich und seine Arbeit besser zu organisieren, hat sich Fehr Rat bei Unternehmensberatern geholt und eine Forschungsmanagerin eingestellt.

Der 53-jährige Experimentalökonom ist einer der international angesehensten europäischen Wirtschaftswissenschaftler. Er leitet einen der größten und produktivsten Lehrstühle für Volkswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum: 20 Wissenschaftler arbeiten in seinem Team, rund 5 000 Probanden schleusen sie jedes Jahr durch das Forschungslabor, in dem Technik im Wert von über drei Millionen Euro steht.

Verhaltensorientierte Wirtschaftsforschung ist Fehrs Spezialgebiet. Zu seinem Team gehören neben Ökonomen auch Psychologen und Hirnforscher. Nur in wenigen Laboren auf der Welt sind diese Disziplinen so eng vereint wie hier. Regelmäßig erscheinen Forschungsergebnisse des Teams in den angesehensten Fachzeitschriften der Welt.

Die Grundlagen des menschlichen Verhaltens will Fehr entschlüsseln - wann und warum verhalten wir uns mal fair und mal egoistisch, wann vertrauen wir einander, und wie gierig sind wir, wenn plötzlich ein finanzieller Gewinn winkt?

Doch sein wissenschaftlicher Erfolg wurde für ihn immer mehr zu einem Problem: Dutzende Projekte laufen gleichzeitig - wie soll er noch den Überblick behalten, welches sich in welchem Stadium befindet? Bei welchem Projekt muss er einem Co-Autor auf die Füße treten? Wo müssen Änderungswünsche von Gutachtern eingearbeitet werden? Und welche Daten aus Experimenten warten schon viel zu lange darauf, endlich einmal ausgewertet zu werden?

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