Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik:
Natur in Zahlen – der leise Siegeszug der Öko-Ökonomen

Umweltschutz und Ökonomie gehören nicht zusammen? Im Gegenteil: Hochschulen und Institute setzen bundesweit auf die Mischung aus wirtschaftlichem und ökologischem Know-how. Der Rat von Wirtschaftswissenschaftlern ist plötzlich gefragt wie nie.

LEIPZIG | DÜSSELDORF. Umweltschutz und Ökonomie gehören für Bernd Hansjürgens nicht zusammen – zumindest nicht in seinem Bücherregal. In der Handbibliothek hat der Leipziger Wissenschaftler die Literatur aus beiden Bereichen streng von einander getrennt: Öko-Titel wie „Paradise for Sale“ und „Wasser – die elementare Ressource“ kommen in die obere Hälfte des Regals, Standardwerke der Volkswirtschaftslehre wie „Grundzüge der Mikroökonomie“ und „Allgemeine Wirtschaftspolitik“ dagegen in die untere.

Hansjürgens ist Leiter der Ökonomieabteilung des Umweltforschungszentrums Leipzig (UFZ) – mit rund 20 wissenschaftlichen Mitarbeitern erforscht er, wie sich Umweltziele kostengünstig und effektiv erreichen lassen. 1991, als das UFZ gegründet wurde, gab es gerade mal einen einzigen Umweltökonomen.

Heute setzen Hochschulen und Institute bundesweit auf die Mischung aus wirtschaftlichem und ökologischem Know-how. Allein das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung beschäftigt inzwischen 15 Volkswirte – bei der Gründung 1992 war es nicht ein Einziger. Die Universität Heidelberg hat ein Forschungszentrum für Umweltökonomik eingerichtet; in Hamburg forschen Meeresbiologen, Geowissenschaftler und Volkswirte gemeinsam in der Forschungsstelle „Nachhaltige Umweltentwicklung“. Veranstaltungen wie „Makroökonomische Aspekte der Umweltpolitik“, „Kuppelproduktion, Umweltprobleme und Ökologische Ökonomie“ oder „Umwelthaftung in Theorie und Praxis“ stehen in immer mehr Unis auf dem Lehrplan.

In der Umweltpolitik vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Weil sich Umweltforschung kaum noch ohne Blick auf wirtschaftliche Belange betreiben lässt, gewinnen Umweltökonomen Einfluss. „Umweltprobleme sollen heute nicht mehr nur gelöst werden“, sagt Carlo Jaeger, leitender Ökonom am interdisziplinären Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. „Sie sollen jetzt mit den Instrumenten gelöst werden, die die geringsten Kosten verursachen. Das Bedürfnis nach ökonomischen Daten und Erkenntnissen in der Umweltpolitik wächst“, sagt er.

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