Paris School of Economics
Schlichte Fassade mit viel dahinter

Der Campus erinnert an eine ostdeutsche Plattenbausiedlung: Beton, Plastiktüren, triste Blumenrabatten. Doch die schlichte Fassade täuscht. Dahinter verbirgt sich eines der wichtigsten Prestigeobjekte der französischen Wirtschaft: Die Paris School of Economics. Diese soll den Eliteunis Oxford und Havard Paroli bieten.

PARIS. Der Campus erinnert an eine ostdeutsche Plattenbausiedlung: Beton, Plastiktüren, triste Blumenrabatten. Doch die schlichte Fassade täuscht. Dahinter verbirgt sich eines der wichtigsten Prestigeobjekte der französischen Wirtschaft: Die Paris School of Economics (PSE). Premierminister Dominique de Villepin persönlich bemühte sich am Donnerstag in den 14. Bezirk im Süden von Paris, um einen Bildungstempel für Ökonomen aus aller Welt zu eröffnen.

Die Eliteschmiede startet ohne falsche Bescheidenheit. Sie sieht sich auf einem Niveau mit Princeton, Havard oder der London School of Economics Und sie will die internationale Elite der Wirtschaftswissenschaften in die französische Hauptstadt locken. Teilweise ist das schon gelungen: Im 16-köpfigen Wissenschaftsrat der neuen Hochschule sitzen 13 Ökonomen von ausländischen Eliteuniversitäten, unter anderem Oxford, Cambridge, MIT, Harvard und Princeton. Mit Joseph Stiglitz, James Mirrlees und Amartya Sen konnte die PSE sogar drei Nobelpreisträger für sich gewinnen.

Soviel internationale Exzellenz ist neu für die französischen Wirtschaftswissenschaften. In der ökonomischen Oberliga spielte Frankreich bisher kaum eine Rolle. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ging bisher nur einmal nach Frankreich – und das ist lange her: 1988 wurde Maurice Allais von der Pariser Eliteschule Ecole Nationale Superieure des Mines für seine Gleichgewichtstheorie ausgezeichnet.

Mit ihrem Mauerblümchen-Dasein fern ab vom amerikanisch dominierten ökonomischen Wissenschaftsolymp wollten sich führende ökonomische Fakultäten und Forschungseinrichtungen in Paris nicht länger abfinden. Deshalb schlossen sich sechs von ihnen zur PSE zusammen. An dem neuen Institut arbeiten derzeit rund 200 Forscher und 300 Studenten. Die sechs in der PSE zusammengeschlossenen Institute bringen es zusammen auf mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen als die London School of Economics. „Damit erreichen wir die kritische Größe, um in der internationalen Rangliste sichtbar zu werden“, sagt PSE-Direktor Thomas Piketty.

Der Chef der neuen Hochschule legt besonders großen Wert auf die Staatsferne seines Instituts. Die PSE wird zwar überwiegend vom Staat finanziert, gehört aber einer privatrechtlichen Stiftung. Dies garantiere Autonomie und finanzielle Flexibilität, betont Piketty. So muss sich die PSE nicht mehr in das enge Korsett französischer Beamtengehälter pressen. Damit wird der Weg frei, Wissenschaftler abzuwerben von besser dotierten Posten im Ausland.

Im Unterschied zu Frankreichs staatlichen Eliteschulen bemüht sich die PSE auch um private Sponsoren. Die Versicherung Axa hat sich finanziell bereits beteiligt, und mit anderen Unternehmen wie der Société Générale oder dem Baustoffkonzern Lafarge sei man im Gespräch. Piketty: „Die Unternehmen unterstützen uns, weil Frankreich Probleme hat mit seiner Wirtschaft, die wir Ökonomen lösen könnten“.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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