Performer
Zu gut ist schlecht

Wer ganz besonders viel leistet, reißt sein Umfeld nicht zwangsläufig mit. Unter bestimmten Umständen kann das genaue Gegenteil der Fall sein - Superstars können mehr Schaden als Nutzen anrichten. Im Extremfall sinkt die Gesamtperformance des Teams.
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LondonEs war die Rückkehr des verlorenen Sohns, und sie sollte den 1. FC Köln in längst vergangene große Fußballzeiten zurückführen. Für zehn Millionen Euro verpflichteten die Kölner 2009 Lukas Podolski. Doch statt den Verein nach vorn zu bringen, spielte der Star schnell ebenso mittelmäßig wie der Rest der Mannschaft - Köln kämpft gegen den Abstieg.

Betriebswirte, die sich auf die Analyse der Leistung von Superstars spezialisiert haben, überrascht dieses Desaster nicht. Denn in mehreren Studien haben sie gezeigt: Wer ganz besonders viel leistet, reißt sein Umfeld nicht zwangsläufig mit. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das genaue Gegenteil der Fall sein - Superstars können mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Wann und warum das der Fall ist, untersuchen Ökonomen gern am Beispiel von Spitzensportlern. Denn dabei können sie Leistungsunterschiede und das Verhalten einzelner Akteure genauer analysieren als im Unternehmensalltag. So hat Jennifer Brown, Assistenz-Professorin an der Northwestern University, den Superstar-Effekt am Beispiel von Profigolfern beleuchtet.

Erfolgsaussichten wichtig

Sie wertete dafür Daten von 363 Turnieren aus, die zwischen 1999 und 2006 stattfanden. In dieser Zeit hat ein Spieler den Sport dominiert wie kein anderer: Tiger Woods.

In seinen besten Jahren brauchte er im Schnitt fünf Schläge weniger als seine besten Konkurrenten. Brown hat untersucht, ob sich die Teilnahme von Tiger Woods an einem Turnier auf die Leistungen seiner Konkurrenten auswirkte.

Dabei stellte sie Erstaunliches fest: Wenn Woods dabei war, gaben sich die anderen Spieler nicht etwa besondere Mühe, ihn vielleicht doch zu schlagen. Im Gegenteil, die Leistung anderer Top-Golfer war deutlich schlechter. Sie brauchten im Schnitt 0,9 Schläge mehr als bei Turnieren, an denen Tiger Woods nicht teilnahm. Besonders stark brach die Leistung der anderen Teilnehmer ein, wenn Tiger Woods grade besonders gut in Form war. In Phasen, wo er nicht so überragend spielte, verschwanden die Unterschiede hingegen vollständig.

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