Peter Drucker
Hochschulen verschmähen deutschen Management-Guru

Er wird gerne als Management-Guru bezeichnet. Vorstände und Geschäftsführer, Berater und Autoren von Managementbüchern zitieren seine Weisheiten noch heute mit Vorliebe. Peter Drucker, der am 19. November 100 Jahre alt geworden wäre, gilt als wichtigster Managementvordenker des 20. Jahrhunderts. Doch sein wissenschaftliches Vermächtnis ist weitgehend in Vergessenheit geraten.
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DÜSSELDORF. Auch wenn er vielen als Erfinder des modernen Managements gilt, so hat er dies immer abgestritten, erklärt Winfried Weber, Professor für Managementlehre an der Universität Mannheim. Tatsächlich habe Drucker als Erster formuliert, welche Aufgaben Führungskräfte erfüllen müssen, wie sie gutes Management erlernen können und warum dieses für alle Organisationen so wichtig ist.

„Er hat ein neues Fach, die Managementlehre, begründet“, fasst Weber zusammen, der gerade ein Buch über Drucker herausgegeben hat. An den betriebswirtschaftlichen Fakultäten aber fällt nur sehr selten der Name Drucker. „Vor allem an deutschen Universitäten wird er kaum gewürdigt“, weiß Weber. Managementlehre steht hierzulande auch nur selten auf dem Lehrplan angehender Betriebswirte, während an international renommierten Business-Schulen Druckers Lehren durchaus diskutiert werden.

Dabei begann Drucker seine wissenschaftliche Laufbahn in Deutschland. Der gebürtige Wiener studierte in Hamburg und Frankfurt. Zu Beginn der Großen Depression verlor er seinen Job als Investmentbanker, 1933 emigrierte er zunächst nach London und später in die USA. Er lehrte erst in New York und dann bis zu seiner Emeritierung in Claremont, Kalifornien. Zu Beginn der 40er-Jahre war Drucker einer der Ersten, der mit empirischen Methoden arbeitete – er analysierte die Strategie des Autoherstellers GM.

Danach jedoch interessierte er sich nur noch für die ganz großen Managementfragen und schrieb viele Bücher. Drucker wollte den Managern zuschauen und eigene Schlüsse ziehen. Die wissenschaftliche Forschung verfolgte er nicht mehr weiter, Rufe an renommierte Universitäten wie Stanford und Harvard lehnte er ab. Der Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn urteilte über Drucker: „Er hat sich nicht mehr in die Normalwissenschaft begeben.“

Kommentare zu " Peter Drucker: Hochschulen verschmähen deutschen Management-Guru"

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  • @ Wolfgang Stock

    Sie haben recht, die Überschrift ist nicht nur irreführend sondern falsch, wenn man das Lebenswerk des Peter Drucker betrachtet. Für ein Wirtschaftsblatt sehr peinlich.

  • @yahel Tut mir leid, Sie liegen falsch. Mit Deutschland hat das nichts zu tun. "Er hat seine Theorien an deutschen Hochschulen entwickelt." das ist Unsinn!
    Rechnen Sie doch mal! November 1909 geboren, 1933 emigriert, also mit 23 oder 24.
    Peter Drucker hat seine "Theorien" in den 50er und 60er Jahren in den USA entwickelt, meist am beispiel der boomenden Autoindustrie. "Management by objectives" (Führen durch Zielvereinbarung) ist von Mitte der 50er Jahre, The Effective Executive (Die ideale Führungskraft) wurde 1967 veröffentlicht.
    Nichts davon in dem Artikel. Statt dessen oberflächliche und falsche infos.

  • @yahel ich will nicht kleinlich erscheinen, aber ich verstehe nicht, warum hier ein schlechter Artikel gut geredet werden soll.
    Nochmals, mit Deutschland hat das nichts zu tun. "Er hat seine Theorien an deutschen Hochschulen entwickelt." Das ist Unsinn!
    Da muss man nur mal etwas rechnen. 100 Jahre alt, also November 1909 geboren. Nach USA emigriert 1933. Also mit 23 oder 24 Jahren.
    Richtig ist: Peter Drucker hat seine "Theorien" in den 50er und 60er Jahren in den USA entwickelt, insbesondere am beispiel der dort boomenden Autoindustrie. "Management by objectices" (Führen durch Zielvereinbarung)ist aus 1954. Sein Hauptwerk "The Effective Executive" (Die ideale Führungskraft) veröffentlichte er Mitte der 60er Jahre.
    Solche Grundlageninformation steht in dem oberflächlichen und teilweise falschen Artikel nicht.

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