Porträtserie Jugend forscht
Experimentator für Wettbewerbspolitik

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Wir stellen die neuen Köpfe vor. Heute: Hans-Theo Normann, der methodisches Neuland betritt - und in der Wettbewerbspolitik mit Laborexperimenten zu ganz neuen Einsichten kommt.

Vor zehn Jahren war seine Forschungsmethode noch esoterisch. Mehr als einmal haderte Hans-Theo Normann dafür mit sich. „Aber inzwischen fängt sie an, sich auszuzahlen“, sagt er heute. Normann ist Industrieökonom mit Schwerpunkt Wettbewerbspolitik. Das Ungewöhnliche an seiner Vorgehensweise: Er forscht nicht nur mit den Methoden der Mathematik und der Spieltheorie, sondern überprüft deren Ergebnisse auch im Labor. Dort übernehmen Probanden die Rolle von Unternehmenslenkern, die unter Wettbewerbsbedingungen ihren Gewinn maximieren. In Experimenten lässt er etwa durchspielen, was passiert, wenn ein großer Produzent einen wichtigen Vertriebspartner übernimmt. Führt das zu steigenden Preisen im Markt?

Das Spezialgebiet des 40-jährigen Volkswirts sind vertikale Fusionen – Zusammenschlüsse zwischen Produzent und Zulieferer oder zwischen Produzent und Handelsunternehmen. Normann gehört mit seiner Forschungsleistung der letzten fünf Jahre zu den zwanzig erfolgreichsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Seit diesem Semester lehrt er an der Goethe-Universität in Frankfurt. Die aufstrebende Uni lockte ihn aus London zurück nach Deutschland, wo in Köln seine Familie lebt.

Normann nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er die herrschende Lehre in der Industrieökonomik beschreibt. Zu viel Mathematik und zu wenig Anwendbarkeit sieht er da. „Wenn wir aus dem Blick verlieren, was die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen sind, haben wir unseren Job verfehlt.“ Er selbst versucht, einfache, generalisierbare Argumente wissenschaftlich zu unterfüttern. Nur diese seien wettbewerbspolitisch umsetzbar.

„Heute muss alles spieltheoretisch fundiert sein“, klagt Normann und bemängelt, dass die Annahmen der Spieltheorie oft recht wirklichkeitsfremd seien. Die Spieltheorie untersucht mit mathematischen Methoden, welches Verhalten der Akteure sich durchsetzt, wenn diese gegensätzliche Interessen haben und der Erfolg des einen auch vom Handeln des anderen abhängt, ähnlich wie bei Gesellschaftsspielen. Ein wichtiges Lösungskonzept der Spieltheorie ist das Nash-Gleichgewicht. Das ist der Zustand, bei dem kein Spieler sich verbessern kann, indem er sein Verhalten ändert.

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