Probleme deutscher Ökonomen
Erdrückende Übermacht der Amerikaner

Es waren wieder gleich drei: Hurwicz, Maskin und Myerson. Seit 1969 wurden 61 Ökonomen mit dem Wirtschaft-Nobelpreis ausgezeichnet – davon waren 40 US-Staatsbürger. Für Top-Forscher hierzulande ist das frustrierend. Doch ihre US-Konkurrenz wundert sich kaum über das schlechte Abschneiden Deutschlands.
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NEW YORK. Viele US-Preisträger haben zwar keinen amerikanischen Pass, sind oder waren aber an US-Unis tätig – zum Beispiel der Norweger Finn Kydland (2004), der Brite Clive Granger (2003) und der Kanadier Robert Mundell (1999). Auch die Gruppe der Forscher, die den Preis allein erhielten und ihn sich nicht mit anderen Wissenschaftlern teilen müssen, dominieren US-Ökonomen – zuletzt Edmund Phelps von der Columbia University.

„Der Erfolg der amerikanischen Wissenschaftler liegt ganz sicher nicht daran, dass sie schlauer sind“, sagt Robert Engle von der New York University (NYU) und Nobelpreisträger von 2003, dem Handelsblatt. Die Schulbildung in Europa sei oftmals sehr gut. „Das Problem taucht später auf.“ Aus Engles Sicht haben Europas Wissenschaftler vor allem einen Nachteil: die Organisation ihrer Universitäten. Der Einfluss der Regierung auf die Hochschulen müsse vor allem in Deutschland „frustrierend“ für die Fakultäten sein, sagt er. Langwierige Berufungsverfahren machten Wettbewerb nahezu unmöglich.

Senatssitzung statt Forschung

Davon kann auch der Amerikaner Dennis Snower berichten, der das Institut für Weltwirtschaft leitet: „In den USA diskutieren Kollegen beim Mittagessen über ihre Forschung, in Deutschland über das Programm der nächsten Senatssitzung.“ Eine Atmosphäre wie in den USA schaffen zu wollen sei wie ein Rennen im Kreis: Um Top-Forscher anzulocken, müssten Top-Forscher vor Ort sein.

Das schlechte Umfeld für Wissenschaftler kritisiert auch Reinhard Selten, der einzige deutsche Ökonomie-Nobelpreisträger: „In Deutschland ist kein Klima für Top-Forschung vorhanden.“ Ökonomen seien deutlich stärker mit Lehre belastet als etwa in den USA. Dass für Forschung im Vergleich zu den USA wenig ausgegeben werde, sei ein weiterer wesentlicher Nachteil. Der deutsche Makro-Ökonom Harald Uhlig, der jüngst von Berlin an die University of Chicago wechselte, fordert daher die Gründung einer neuen Elite-Fakultät für VWL in Deutschland.

Hinzu kommt, dass US-Unis deutlich höhere Gehälter als die meisten europäischen Hochschulen zahlen – in Italien zum Beispiel sei die Bezahlung laut Phelps „ein Witz“. Dass mehr Geld für Forschungszwecke vorhanden sei, sieht Phelps aber nicht als Ursache für das erfolgreiche Abschneiden seiner Landsleute. „Ich habe zwar keine Studie darüber gemacht, aber für Ökonomen würde ich sagen: Große Teile ihrer Forschung sind nicht sehr teuer.“

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