Professoren für BWL im Porträt
Leben nach den Prinzipien der modernen BWL

Christian Homburg stellt Prinzipien marktorientierter, strategischer Unternehmensführung nicht einfach nur auf – er lebt sie. Mit seiner steilen Karriere trat der 43-jährige Mannheimer Marketing-Professor den Beweis an, dass sie funktionieren.

MANNHEIM. Schon weit vor dem Einser-Abitur stellt er seine Zielmatrix auf: Homburg nimmt sich vor, ein international renommierter BWL-Professor zu werden, damit gutes Geld zu verdienen und eine Familie zu gründen.

Dann wählt er – marktorientiert – die geeigneten Mittel. Homburg studiert Mathematik, weil dieses Fach am besten die formale Stringenz und Kompetenz vermittelt, die nötig ist, um Forschungspapiere in die besten Zeitschriften zu bringen. Erst danach promoviert er im Zielfach BWL. Um die Praxisrelevanz seiner Forschung zu steigern, macht er einen kurzen Produktionsumweg in die Privatwirtschaft. Er heuert bei der KSB AG in Frankenthal an. Dort soll er bei der Sanierung der defizitären Armaturensparte helfen. Er setzt sich gegen einen Kontrahenten durch, bekommt dessen Aufgabengebiet und schafft innerhalb von zwei Jahren den Turn-around. Andere hätten nach einem solchen furiosen Start ihre alten Pläne vergessen. Nicht so Christian Homburg: Er kündigt und habilitiert sich – bei mickrigem Stipendium.

Das dauert – wie alles, was Homburg anpackt – nur halb so lange wie bei den meisten seiner Kollegen. Mit 33 Jahren wird er in Koblenz Professor, über eine Zwischenstation an der Uni Mainz gelangt er nach Mannheim. Heute ist er, das zeigt die Handelsblatt-Studie, in der deutschen BWL die Nummer eins.

Damit die Erreichung seines Karriereziels Wissenschaftler kein finanzielles Verlustgeschäft wird, gründet Homburg ein Beratungsunternehmen. Weil er Forscher und nicht Unternehmer sein will, beschränkt er sich auf die Rolle des wissenschaftlichen Beraters. Das Unternehmen entwickelt sich prächtig, expandiert schnell und sichert ihm den angestrebten Lebensstandard. Im November hat Homburg Ruth Stock geheiratet, die im Jahr 2000 bei ihm promovierte und seit kurzem in Hohenheim lehrt. Wie er seinerzeit ist Ruth Stock-Homburg mit 33 Jahren jüngste BWL-Professorin Deutschlands. Tochter Nadine bringt er morgens in den Kindergarten und meistens abends ins Bett. Danach setzt er sich wieder an den Schreibtisch.

Der Professor vermittelt den Eindruck, als würde er im Dauerbetrieb in einem Drehzahlbereich operieren, der bei anderen Menschen rot markiert wäre. Denn Zeit – Zeit hat er auch nicht mehr als andere. Nur 168 Stunden pro Woche. Und ein bisschen schlafen muss auch er. Früher gab es trotzdem schon mal Wochen, in denen er 100 Stunden arbeitete – das sei aber auf Dauer auch für ihn zu viel gewesen, gibt er zu. Aber 70 bis 80 Stunden arbeite er regelmäßig.

Was er von sich selbst verlangt, verlangt er auch von anderen. Ihm eilt der Ruf voraus: Ein Assistent, dessen Glück davon abhängt, nach neun, zehn Stunden redlichen Forschens und Lehrens den Feierabend zu genießen, würde bei ihm kein freudvolles Dasein fristen. Der Lehrstuhl ist wie ein gut geführtes Unternehmen organisiert. Es gibt Organigramme, die jedem seine Aufgaben zuweisen. Homburg selbst wird nur mit wirklich wichtigen Entscheidungen behelligt.

Er steht aber auch in dem Ruf, sich für seine Studenten und Mitarbeiter einzusetzen. Engagement für die Lehre ist bei Homburg kein Lippenbekenntnis. Seine Studenten bestätigen: Auch Grundstudiumsvorlesungen vor 1 000 Studenten hält er persönlich,engagiert und gut vorbereitet – durchaus keine Selbstverständlichkeit bei etablierten Ordinarien. Mit seiner Forschung zeigt er, wie wichtig Kundenzufriedenheit für die Profitabilität ist. Seine Kunden, ob Studenten, Assistenten, Universitäten oder Fachzeitschriften, sind alle mit seinen Produkten zufrieden – und Homburg kann Premium-Preise erzielen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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