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Franz Wirl: Der doch nur forschen will

Der studierte Mathematiker Franz Wirl ist der forschungsstärkste Betriebswirt im deutschsprachigen Raum und gilt als Experte für die Versorgungswirtschaft. Durch seinen Forschungsdrang hat der Professor der Universität Wien genug Energie, um sich in mehreren Themenbereichen auszutoben.
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WIEN. Die beste Gegend hat sich die Universität Wien für ihre Betriebswirte nicht ausgesucht. Floridsdorf liegt auf der Ostseite der Donau, weit weg von Stephansdom und Hofburg. Die Verkehrsanbindung ist schlecht, draußen am Stadtrand dominieren alte Industriebauten, Gebrauchtwagenhändler und Einkaufszentren. Traditionsbewusste Kaffeehäuser und Parks mit altem Baumbestand fehlen.

Aber vielleicht ist das genau die Atmosphäre, die besonders fleißige Forscher der Universität brauchen. Franz Wirl gehört zu ihnen. Er leitet den BWL-Lehrstuhl für Industrie, Energie und Umwelt, muss jeden Morgen fast 20 Kilometer aus dem Wiener Westen mit S-Bahn und Fahrrad zu seinem Lehrstuhl fahren und ist der forschungsstärkste Betriebswirt im deutschsprachigen Raum - im Handelsblatt-Ranking für das Lebenswerk steht er an erster Stelle.

Franz Wirl ist 57, also schon lange im akademischen Betrieb dabei. Und sein Themengebiet umfasst Energiewirtschaft, öffentliche Versorgung und Umweltfragen. Als Sohn eines Kleinunternehmers liegen ihm Wirtschaftsthemen, doch ein BWL-Studium erscheint ihm Anfang der 1970er-Jahre als zu wenig anspruchsvoll. Der Österreicher entscheidet sich daher für ein Mathematikstudium an der Technischen Universität (TU) Wien, immerhin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Planungsmathematik. Wirl hat auch heute noch - wie viele der forschungsstärksten Betriebswirte - ein besonderes Verhältnis zu Zahlen.

Auch wenn ihn nach dem Studienabschluss 1976 eine Karriere in der akademischen Welt reizt, wird daraus erst einmal nichts. Wirl findet zunächst keine Stelle als Assistent und sucht sich in Zeiten der Ölkrisen einen anderen Job. Er findet ihn in der wissenschaftlichen Abteilung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die ihren Hauptsitz in Wien hat.

Die Arbeit dort unterscheidet sich nur wenig von dem, was ihn als jungen Assistenten an einer Hochschule erwartet hätte. Wirl arbeitet an Analysen und Modellen für den Weltölmarkt. Doch er hält Blickkontakt zur Uni. 1983 kündigt er bei der Opec, verzichtet auf ein Drittel seines Gehalts und geht als Assistent zurück an die TU Wien. Seinem Themengebiet bleibt er treu im Fachbereich Energiewirtschaft und Elektrotechnik. Dort lehrt und forscht er zu Energiethemen, habilitiert 1989 und bewirbt sich auf Professorenstellen. Einen Wechsel in die Wirtschaft oder eine Rückkehr zur Opec kann er sich nun gar nicht mehr vorstellen.

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