Prognosebörsen
Der Schwarm ist klüger als die Experten

Volkswirte entdecken die Weisheit der Masse und verbessern ihre Vorhersagen zu BIP-Entwicklung und Arbeitslosenzahlen mit Hilfe von Prognosebörsen. Je mehr Menschen mitmachen, desto exakter die Prognosen.
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DüsseldorfEine einzelne Ameise ist nicht besonders klug. Tausende aber bauen gemeinsam komplexe Staaten auf. Sie nutzen das Prinzip der Schwarmintelligenz: Jeder kann sich irren, aber in der Summe gleichen sich die Fehler aus, und das Gesamtergebnis passt. Das Onlinelexikon Wikipedia, bei dem Leser und Autoren sich gegenseitig kontrollieren, funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Neuerdings hilft diese Art der Intelligenz auch Wirtschaftswissenschaftlern. Immer mehr Ökonomen nutzen Prognosebörsen, um ihre Vorhersagen zu BIP-Entwicklung und Arbeitslosenzahlen exakter zu machen. Die Börsen sind virtuelle Märkte, auf denen Teilnehmer Ereignisse wie Aktien handeln.

Der Mechanismus ähnelt dem einer Fußballwette: Jeder Marktteilnehmer kann eine Prognose abgeben, etwa wie hoch die Arbeitslosigkeit in einem Jahr sein wird. Aus den unterschiedlichen Vorhersagen wird ein Kurs berechnet.

Wer glaubt, dass die Arbeitslosenquote höher liegen wird, als die aktuelle Meinung auf dem Markt ist, kauft Aktien und spekuliert auf steigende Kurse. Wenn die Arbeitsagentur ihre aktuellen Zahlen veröffentlicht, wird nach dem tatsächlichen Wert ausgezahlt. Auch das Handelsblatt betreibt solch eine Börse (http://eix.handelsblatt.com).

Doch die Prognosebörsen sind mehr als ein Spiel: „Sie haben die Fähigkeit, genaue, verlässliche Vorhersagen zu treffen“, schreiben drei Ökonomen um Eric Zitzewitz (Dartmouth College). Ob Wahlergebnisse oder Verkaufszahlen - oft liegen die Massen mit ihrer Prognose sehr nah an der Wirklichkeit.

Bei Konjunkturdaten wie Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit schnitten Prognosebörsen besonders gut ab, fanden Refet S. Gürkaynak (Bilkent Universität) und Justin Wolfers (Universität Pennsylvania) heraus. So ist eine US-Prognosebörse im Schnitt rund vier Prozent näher an den tatsächlichen Werten als eine Umfrage unter rund 30 Analysten.

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  • Ökonomisch gesehen feiern wir somit nur noch die freie Marktwirtschaft, die sich vollends von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet hat. Wenn aber Ereignisse innerhalb unserer Welt allein dazu benutzt werden, hieraus Geld zu machen, bezeichne ich unserer heutiges Wirtschaftssystem als zutiefst unmenschlich und korrupt. Ökonomen sollten sich grundsätzlich darüber klar werden, welche Folgen der Globalisierung sich in ihre Wissenschaft eingeschlichen hat. Zwar sind Mehrheiten stärker als Einzelne, dafür ihre Interessen aber besser kanalisierbar und die Einzelnen mit etwaiger Kritikum so mehr zu entsozialisieren. Das Geschäft mit der sozialen Ungerechtigkeit und -ungleichheit, ja das Geschäft mit Ereignissen oder menschlicher Katastrophen bringt heut zu Tage viel Geld ein, selbst in der Politik, die sich gar nicht mehr am Volkwillen orientiert. Jeder "dumme" Einzelne, der diese Krise der Menschlichkeit, die im eigentlichen ein Krise der Wirtschaftwissenschaften ist, nicht euphorisch mitfeiern will, fällt aus dem sozialen System heraus. "Schwarmintelligenz" ist daher ein Unwort und Indiz für die schreitende Entmündigung der Bürger, die nur noch einem Ziel, dem Profit aus Aktiengeschäften dienen sollen. Armes Deutschland , arme Wissenschaft!

  • @KHD
    So kann man es bestimmt nicht beschreiben. "Zum Schaden eines jeden einzelnen"? Die Politiker haben zwar zum Schaden Deutschlands gehandelt, persönlich aber in dieser Zeit Pensionsansprüche aufgebaut.

    In jedem vernünftig geführten Unternehmen wären sie raus geflogen und es würde ihnen der Prozess wegen Untreue gemacht.

    Politiker sollten zu Sozialdienst zwangsverpflichtet werden. Sie sollten ehrenamtliche Aufgaben bei der Essensausgabe bei der TAFEL verrichten. An den Warteschlangen könnten sie dann praktisch erkennen wie gut ihre Politik tatsächlich ist.

  • Viele Idioten/Dumme auf einem Haufen sind Idiot/Savants

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