Regeln für die Globalisierung
Auswege aus der Krisenspirale

Die Globalisierung braucht bindende Regeln. So können unnötige Kosten ebenso vermieden werden wie menschliches Leid. Die Frage ist: Unter welchen Bedingungen sind Staaten bereit, einen Teil ihrer Souveränität abzutreten?

Die Kernfrage, auf die meine Studie eine Antwort zu geben versucht, kann man so formulieren: Unter welchen Bedingungen werden internationale Regeln aufgestellt? Mit anderen Worten: Unter welchen Umständen erweisen sich nationale Herangehensweisen nicht mehr als ausreichend, um Probleme zu lösen, so dass Staaten bereit sind, einen Teil ihrer Souveränität an internationale Institutionen abzutreten? Und schließlich: Tragen diese internationalen Regeln dazu bei, die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern?

Meine Antwort zeigt, dass internationale Abkommen auf menschliche Erfahrungen zurückgehen. Unglücklicherweise haben meist negative Erlebnisse zur Bildung internationaler Institutionen geführt. Dazu zählen historische Desaster, Bürgerrevolten und Kriege - Ereignisse, die den Menschen viel Elend bereitet haben. Regeln entstehen also, um menschliche Not und Elend in Zukunft zu verhindern. Sie sind deshalb das Resultat eines pathologischen Lernprozesses.

Desaster und Not können als Kosten im wirtschaftlichen Sinne interpretiert werden. Ressourcen, die hierdurch verbraucht werden, könnten in der Produktion viel sinnvoller eingesetzt werden, um das Einkommen der Menschen zu erhöhen, und so zu einem besseren Lebensstandard beitragen. Ein sinnloser Einsatz von Ressourcen verursacht Opportunitätskosten, d.h. Kosten, die dadurch entstehen, dass Chancen verpasst werden. Wir können sie auch als sinnlose Transaktionskosten beschreiben, wobei Transaktionskosten definiert werden als Ressourcen, die im Austausch zwischen Menschen verbraucht werden.

Wenn Regeln nach ihrem Inkrafttreten Bürgerkriege oder Kriege zwischen einzelnen Staaten verhindern können, senken sie derartige Kosten und erzeugen einen höheren Nutzen dank der Tatsache, dass die Völker von einem Austausch untereinander profitieren können. Gleichermaßen entsteht Nutzen durch die Reduzierung grenzüberschreitender negativer Einflüsse. Bei diesen schädlichen Wirkungen, die über ein einzelnes Land hinausgehen, kann es sich zum Beispiel um sauren Regen handeln. Es kann aber auch um Kosten gehen, die durch das opportunistische Verhalten eines Landes zum Nachteil eines anderen innerhalb der internationalen Arbeitsteilung entstehen.

Die Senkung der Transaktionskosten kann daher viele Regeln erklären, vor allem in internationalen Vereinbarungen mit wirtschaftlicher Relevanz. Wir sprechen daher von einem Transaktionskosten-Ansatz oder von einem Erfahrungsansatz bei Regeln.

Internationale Wirtschaftsregeln sind Verhaltensnormen für Regierungen, Unternehmen und Bürger. Sie verkörpern eine Art Selbstverpflichtung: Innerhalb eines solchen Systems begrenzen die Staaten die Freiheit und die Reichweite, die ihre Regierungen bei künftigen Entscheidungen noch genießen können. Hinter jedem Regelwerk steckt also ein "Negativ-Katalog", eine Serie von Einschränkungen für das Verhalten nationaler Regierungen.

Diese Einschränkungen schützen die internationale Arbeitsteilung gegenüber die einander widerspechenden Interessen nationaler Regierungen. Die Selbstverpflichtung der Staaten wirkt auch als Schutz gegen die Kraft protektionistischer Gruppen in einzelnen Volkswirtschaften.

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