Reinhard Selten-Preis
Das erste Mal

Er darf im Jahr der Preisverleihung nicht älter als 32 Jahre sein. Er muss eine originelle und zugleich methodisch saubere Arbeit abgeliefert haben. Und dafür bekommt er 3000 Euro. Es dreht sich um den Autor des in diesem Jahr erstmals vergebenen Young Author Best Paper Award, dem Reinhard Selten-Preis des Vereins für Socialpolitik.
  • 0

Gabriel Felbermayr heißt der Preisträger 2007. Mit der neuen Auszeichnung hat der Verein für Socialpolitik auf seiner Jahrestagung in München einen Ökonom für dasjenige Paper geehrt, „das sich am stärksten durch Originalität, eine relevante Fragestellung und eine anspruchsvolle Methodik auszeichnet“.

Der Tübinger Felbermayr hat nach Ansicht der Jury genau das geschafft. Seine Erkenntnis: Infrastrukturinvestitionen konzentrieren sich immer auf die Mitte einer Region, weil die positiven externen Effekte auf andere Gebietskörperschaften im politischen Prozess unberücksichtigt bleiben. Die Folge: Es entsteht eine schlechte Transportinfrastruktur in Grenzregionen. Dadurch sind die Transportkosten über Ländergrenzen hinweg höher als innerhalb eines Landes.

Mit seiner Forschungsarbeit „International Trade and the Political Economy of Transport Infrastructure“ habe Felbermayr eine Erklärung für den so genannten Grenzeffekt ("border effect") geliefert, so die Jury. Will heißen: Auch wenn es keine Handelsbeschränkungen gibt, wird über Ländergrenzen hinweg sehr viel weniger gehandelt als mit Regionen, die ebenso weit entfernt sind, aber innerhalb der Ländergrenzen liegen.

Was in der Außenhandelspolitik viel diskutiert wird, hat der Nachwuchswissenschaftler der Jury zufolge mit einer "vorwiegend theoretischen Analyse auf methodisch sehr hohem Niveau" gezeigt. Eine empirische Untersuchung der französischen Transportinfrastruktur unterstütze die zentrale Hypothese obendrein.

Felbermayr hat nach seinem VWL-Studium in Linz an dem Europäischen Hochschulinstitut in Florenz 2004 promoviert. Nach einem Jahr bei McKinsey in Wien schlug er wieder den akademischen Weg ein und habilitiert seit 2005 am außenwirtschaftlichen Lehrstuhl von Wilhelm Kohler in Tübingen. Mit ihm hat der junge Ökonom bereits im angesehenen International Economic Review publiziert.

Kommentare zu " Reinhard Selten-Preis: Das erste Mal"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%