Richard Easterlin
Bonner IZA ehrt Vater der Glücksökonomie

Der 83-jährige US-Ökonom Richard Easterlin erhält in diesem Jahr den mit 50 000 Euro dotierten IZA Prize in Labor Economics. Der Forscher stellte Mitte der 70er-Jahre fest: Geld macht nicht glücklich. Anfangs war er ein Außenseiter, heute boomt der von ihm begründete Forschungszweig.
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DÜSSELDORF. Am Anfang hatte Richard Easterlin wenig Glück: Brüsk lehnte es die Fachzeitschrift „American Economic Review“ Anfang der 70er-Jahre ab, seinen Aufsatz zu veröffentlichen. Easterlin hatte gezeigt, dass es für Menschen nicht entscheidend ist, wie viel Geld sie besitzen, sondern nur, ob sie mehr haben als andere. Damit widersprach er der vorherrschenden Ansicht, die Geld und Glück praktisch gleichsetzte. Heute gilt der damals verschmähte Beitrag als Urknall der Glücksökonomie. Veröffentlicht wurde er 1974 in einem unwichtigen Sammelband.

Im Nachhinein hätte die Zeitschrift den Text sicher gern genommen: Über 800 Studien haben sich inzwischen mit Easterlins Thesen befasst, die Glücksökonomie ist zu einem florierenden Forschungsfeld geworden. Im Herbst erhält der heute 83-Jährige den mit 50 000 Euro dotierten Forschungspreis des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Besonders für die Wirtschaftspolitik seien Easterlins Erkenntnisse wichtig, begründet IZA-Direktor Klaus Zimmermann die Wahl. „Sie zeigen, dass Menschen keineswegs immer nur ihren Wohlstand mehren wollen, um ihre Zufriedenheit zu erhöhen.“ Werte wie gesellschaftliche Fairness und ein funktionierender Sozialstaat seien genauso wichtig, so Zimmermann.

Mit Daten aus 13 Ländern hatte Easterlin 1974 gezeigt, dass reichere Menschen öfter angeben, glücklich und zufrieden zu sein als ärmere – was zunächst die klassische Theorie zu bestätigen schien. Doch zwei andere Erkenntnisse widersprachen der alten Sicht: Easterlin fand heraus, dass die Menschen in reicheren Ländern nicht zwangsläufiger glücklicher sind als in armen. Gleichzeitig blieb die Zufriedenheit in einem Land oft über Jahre hinweg gleich, auch wenn das durchschnittliche Einkommen beträchtlich stieg.

Easterlin schloss daraus: Den Menschen bedeute die absolute Höhe ihres Einkommens wenig, zumindest, sobald die Grundbedürfnisse befriedigt seien – genug zum Essen und ein Dach über dem Kopf. Entscheidend sei der Status, also der Wohlstand im Vergleich zu anderen. Und da Menschen mit mehr Geld auch anspruchsvoller würden, bliebe ihnen keine Zeit, sich über den gestiegenen Wohlstand zu freuen.

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