Robert Johnson: „Die ökonomische Architektur in Europa wankt“

Robert Johnson
„Die ökonomische Architektur in Europa wankt“

Robert Johnson, Direktor des Institute for New Economic Thinking, sprach mit Handelsblatt-Redakteur Olaf Storbeck über die heute beginnende Jahrestagung seines Instituts in Berlin und neues ökonomisches Denken.  
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Handelsblatt: Herr Johnson, für die ersten beiden großen Konferenzen hat das Institute for New Economic Thinking (INET) sehr symbolträchtige Orte  ausgewählt – das King’s College in Cambridge, wo Keynes gearbeitet hat, und Bretton Woods, wo 1944 ein neues Weltfinanzsystem konzipiert wurde. Diesmal findet die Tagung in Berlin statt. Warum?

Robert Johnson: Die Treffen in Großbritannien und den USA dienten dem Zweck, dort eine Community aufzubauen, wo die Probleme der modernen Finanzökonomie ihren intellektuellen Ursprung haben. Wir haben uns jetzt für Berlin entschieden, weil wir uns stärker den Herausforderungen der Zukunft zuwenden wollen – unter anderem dem Klimawandel. Deutschland ist den USA und Großbritannien in Fragen, die mit Klimawandel zusammenhängen, weit voraus. Außerdem wankt die ökonomische Architektur in Europa – und Deutschland gehört zu einer der tragenden Säulen dieser Architektur. Unser Ziel ist es, unsere Community zu vergrößern und die wichtigsten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, rigoros anzugehen.

Im Moment sind nur sehr wenig Volkswirte aus Deutschland und Kontinentaleuropa bei INET aktiv. Warum ist das so?

Zum Teil liegt das an dem Schwerpunkt, den wir in den ersten Jahren gesetzt haben. Wir haben unsere Energie dort konzentriert, wo die orthodoxen ökonomischen Theorien erdacht wurden – an den Elite-Universitäten in den USA und Großbritannien. Ich hoffe, dass die Konferenz in Berlin das Gleichgewicht verändern wird. Auf meinen Reisen durch Europa erlebe ich regelmäßig eine große Euphorie für unsere Mission.

Peilen Sie auch Kooperationen mit deutschen Universitäten an, so wie es sie zum Beispiel mit Oxford gibt?

Wir haben sehr viel Hoffnung, was die Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen anbetrifft. Es gibt bereits eine sehr produktive Beziehung zur Mercator Stiftung und ihrem neuen Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, das geführt wird von Ottmar Edenhofer.  Wir sind außerdem in Gesprächen mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Warum Kiel?

Das Institut wird von Dennis Snower geführt, der eine sehr klare und innovative Vorstellung von neuem ökonomischen Denken hat. Ich gehe davon aus, dass diese Aktivitäten für uns ein Sprungbrett werden für tiefer gehende Kooperationen mit deutschen Universitäten.

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