Schuldenabbau
Die Mär vom Gesundsparen

Liberale Ökonomen behaupten gern: Haushaltskonsolidierung kostet kein Wachstum. Sie irren, zeigen drei Ökonomen des Internationalen Währungsfonds in einer neuen Studie.
  • 16

LondonJürgen Stark, einer der einflussreichsten Zentralbanker Europas, war sich seiner Sache sicher: "Spart der Staat bei den Ausgaben, um den Haushalt zu konsolidieren, sind durch den Gewinn an Glaubwürdigkeit schon nach kurzer Zeit positive Wachstumseffekte zu erwarten", schrieb der heutige EZB-Chefökonom 2003 in der "Welt" und berief sich auf empirische Studien.

Journalisten argumentieren gerne ähnlich: "Wer eisern spart und damit den staatlichen Rückzug anordnet, muss nicht zwangsläufig in eine Wirtschaftskrise abgleiten", argumentiert die "Süddeutsche Zeitung". Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" betont unter der Überschrift "Die Mär vom Kaputtsparen": "Wer Staatsausgaben kürzt, wird mit Wachstum und Arbeitsplätzen belohnt."

So verlockend diese Botschaft aber auch klingt - sie ist falsch. Das zumindest ist das Fazit einer neuen Studie eines dreiköpfigen Forscherteams aus der Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Wenn Regierungen die Steuern erhöhen oder die Staatsausgaben kürzen, um damit den Haushalt in Ordnung zu bringen, kostet das kurzfristig Wachstum und damit auch Jobs, stellen die IWF-Ökonomen Jaime Guajardo, Daniel Leigh und Andrea Pescatori fest.

Älteren Studien, die das Gegenteil feststellten und auf die sich Jürgen Stark und Co. berufen, attestiert das Forschertrio erhebliche Schwächen: "Die Standard-Methode, die bislang benutzt wurde, produziert verzerrte Ergebnisse", heißt es in der Arbeit mit dem Titel "Expansionary Austerity: New International Evidence".

Dreh- und Angelpunkt der Debatte sind die kurzfristigen Wirkungen von Sparprogrammen - also die Frage, was höhere Steuern und niedrigere Staatsausgaben in den ersten ein bis drei Jahren für die Konjunktur bedeuten. Dass solide Haushaltspolitik auf Dauer positiv ist, ist weitgehend unstrittig - hohe Steuern und große Schuldenlasten lähmen langfristig das Wachstum.

Kommentare zu " Schuldenabbau: Die Mär vom Gesundsparen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was ja mit der derzeitigen Regierung unter Merkel und Schäuble einwandfrei bewiesen ist. D so in den Dreck zu fahren, schafft nicht jeder.
    Soviel Schulden und Bürgschaften, die alle greifen werden, sind eine lobenswerte Leistung.

    Die CDU kann eben mit Geld umgehen?

    Schönen Tag noch.

  • Dem Autor entgeht leider, dass die Studie liberale Ökonomen nicht widerlegt, sondern bestätigt - was genau liberale Ökonomen sein sollen, erfahren wir ja nicht, aber wenn man z.B. mal an die Österreichische Schule denkt, ist eine deren Kernmaximen, dass man mit Kredit und Konsum kein dauerhaftes Wachstum erzeugen kann, sondern dass irgendwann der Rückgang der Konsumwirtschaft erfolgen muss. Nichts anderes erlebten und erleben wir in der jüngeren Vergangenheit und in der Gegenwart - Staaten und Gesellschaften haben sich überschuldet und das Geld für Konsum rausgeworfen. Wenn dann der Geldhahn zugedreht werden muss, ist es nicht überraschend, dass der Konsum am stärksten zurückgeht. Dieser "Konsum-Kater" kann den Boden für einen wirtschaftlichen Neuanfang legen, aber leider versuchen unsere Regierenden, ihn soweit vor sich herzuschieben, bis die Wirtschaft umso heftiger gegen die Wand fahren muss.

  • @Huensche:

    Ich muss Sie leider enttäuschen und Ihr Weltbild ins Wanken bringen. Ich bin großer Fußballfan sondern spiele Tennis.

    Nun, ich verstehe den Artikel sehr wohl. Diese Sachverhalte sind seit Jahrzehnten bekannt. Jeder mit etwas gesundem Menschenverstand versteht das.

    DARUM halte ich diese Studie für sinnlos, da Sie nur Altbekanntes wiedergibt. Und dafür werden diese "Experten" auch noch bezahlt?

    Leider gibt es im Finanzbereich viele Blasen. Eine davon ist die Expertenblase, nämlich aufgeblasene Fatzke die jeden Tag irgendeinen Mist von sich geben damit Sie eine Daseinsberechtigung haben. Die sie aber in Wirklichkeit gar nicht haben.

    Wenn man sich einmal die Mühe macht und jeden Tag nur 10 Minuten die Finanzmeldungen liest, die Märkte beobachtet und die Börsengurus etc. sieht, dann wird einem schnell klar wie nutzlos dies Alles ist.

    Das alles ist ein lächerliches Schneeballsystem, in dem Abzocker verdienen und Expertenclowns der Masse erklären wollen warum nun diese Aktie steigt, oder dieses und jenes Land Probleme hat.

    Dabei werden die Märkte nach allen Regeln der Kunst manipuliert. Aber das Heer der Banker, Portfoliomanager und Experten muss ja beschäftigt werden. Mit nutzlosen Erklärungsversuchen.

    Ein Affenzirkus. OHNE SINN.

    Das selbige gilt übrigens für unsere Herren aus der Ministerabteilung. Welch geballte Kompetenz und Führungskraft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%