Schwellenländer überschütten die Welt mit Kapital
Blasen verlieren ihren Schrecken

Wissenschaftler und Zentralbanker haben kaum noch Angst vor Niedrigzinsen und exzessiven Kurssteigerungen: Exzessive Kurzsentwicklungen, niedrige Zinsen und geringe Risikoprämien erscheinen als Anpassungsreaktion auf die Globalisierung.

Als die Granden der internationalen Finanzwelt im Herbst 2005 in Washington zur Tagung von IWF und Weltbank zusammenkamen, trieb sie alle eine Sorge um – Blasen. Damals kulminierte ein seit längerem schwelendes Unbehagen über rekordniedrige Zinsen, steigende Aktienkurse, in die Höhe schießende Immobilienpreise und ein wucherndes US-Handelsdefizit. Die Banker und Wirtschaftspolitiker fürchteten, ihre Welt könnte aus den Fugen geraten, wenn die Blasen platzten, die sie überall ausmachten. Eine Blase gab es am Immobilienmarkt, bei kreditfinanzierten Firmenübernahmen, bei viel zu niedrigen Risikoaufschlägen für riskante Anlagen und nicht zuletzt am Anleihemarkt, wo die Kurse als zu hoch und damit die Renditen als viel zu niedrig eingeschätzt wurden.

Seither sind eineinhalb Jahre vergangen. Die Firmenübernahmen haben immer größere Volumina erreicht, die Risikoaufschläge sind weiter zurückgegangen, und die Renditen am Anleihemarkt sind trotz kräftiger Zinserhöhungen von US-Notenbank und Europäischer Zentralbank nur sehr moderat gestiegen. Trotzdem ist das laute Klagen über das drohende Unheil zu einem leisen Murmeln verklungen. Selbst die Kursturbulenzen der letzten beiden Wochen an den internationalen Finanzmärkten ließen die Nervosität nur kurz aufflackern. Dann ging man wieder zur Tagesordnung über.

Der Grund für den Sinneswandel der Praktiker ist ungewöhnlich. Sie ließen sich von Wissenschaftlern beruhigen, die ihnen anhand neuartiger Modelle klar machten, dass die Weltwirtschaft heute anders funktioniert, als sie es an den Universitäten gelernt hatten. In dieser schönen neuen Welt sind, so die These, extrem niedrige Zinsen und Risikoaufschläge sowie kräftig steigende Preise von Vermögenswerten nicht nur normal – es sind geradezu unausweichliche Anpassungsreaktionen an die Globalisierung. Die nächsten Wochen werden einen neuen Test für diese Theorie liefern. Wenn sie stimmt, wird der Kursrückgang an den Aktienmärkten eine Episode bleiben, die die Industrieländer nicht nachhaltig in Mitleidenschaft zieht.

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