Sechs Fragen an Dennis Snower
„Es kann nicht ein Herausgeber Gott spielen“

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat im Frühjahr 2007 eine neue, rein elektronische Fachzeitschrift für die Wirtschaftswissenschaft gestartet. Warum, erklärt der Institutschef Dennis Snower im Handelsblatt-Interview.

Handelsblatt: Herr Snower, im März hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft die Online-Zeitschrift » „Economics“ gestartet. Sie wollen mit den führenden Fachzeitschriften der Welt konkurrieren. Ist das nicht ein wenig zu ambitioniert?

Dennis Snower: Ich bin ich optimistisch, dass wir Erfolg haben – weil unser Konzept überlegen ist. Bislang wird in der Forschung nach sowjetischem System publiziert, die Herrscher sind die großen Verlage. Dabei ist Forschung ein öffentliches Gut. Es müsste kostenfrei sein, nach demokratischen Regeln organisiert und deutlich schneller verfügbar. All das bieten wir – im Gegensatz zu den traditionellen Print-Journals.

Aber Sie haben ein Henne- und Ei-Problem: Renommee gewinnt das neue Journal nur, wenn es Top-Artikel veröffentlicht – und die werden erst angeboten, wenn schon Renommee da ist.

Das stimmt, allerdings nur zum Teil. Denn wir starten insofern mit hohem Ansehen, als dass sich die Crème de la Crème des Fachs unserer Idee verschrieben hat. Unserem Beirat gehören allein sechs Nobelpreisträger an. Zudem haben schon nach wenigen Wochen hochrangige Ökonomen wie Oliver Williamson und Jeffrey Frankel bei uns eingereicht, was unseren Ruf weiter verbessert.

Würden Sie also Ihren Doktoranden empfehlen, ihre besten Paper bei „Economics“ einzureichen?

Natürlich. Warum nicht?

Weil es ein Gütesiegel ist, wenn man einen Aufsatz im „American Economic Review“ oder im „Quarterly Journal of Economics“ unterbringt. Ob das auch für „Economics“ gilt, ist noch unklar.

Eine Arbeit bei den traditionellen Zeitschriften einzureichen, ist auch nicht ohne Risiko. Sie müssen sich auf einen jahrelangen Evalutionsprozess gefasst machen. Werden sie nach Jahren der Begutachtung abgelehnt, fangen sie wieder von vorne an. Bei „Economics“ wird zwar keineswegs mit geringeren Qualitätsansprüche ausgewählt, wir haben bereits sehr viele Paper abgelehnt. Aber wir entscheiden erstens schneller und zweitens transparent. Das berühmte Paper „The Market for Lemons“, für das Akerlof später den Nobelpreis bekam, wurde erst fünf Jahre nach seiner Fertigstellung veröffentlicht, weil der Herausgeber das Potenzial der Arbeit nicht erkannt hatte. Das kann bei uns nicht passieren, weil nicht ein Herausgeber Gott spielt und die alleinige Macht und Verantwortung hat, sondern der Markt entscheidet.

Sie wollen die Marktmacht der Verlage angreifen?

Wir wollen Forschung effizienter, gerechter und temporeicher gestalten.

Wie lange geben Sie Ihrer Idee und woran messen Sie den Erfolg?

In fünf Jahren sollten wir so viele Leser und Autoren gewonnen haben, dass wir mit den besten 10, 15 Journals konkurrieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%