Serie: Jugend forscht
Der Spekulations-Spezialist

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Wir stellen die neuen Köpfe vor. Heute: Markus Brunnermeier, deutscher Finanzmarktexperte an der US-Eliteuniversität Princeton.

Wenige Straßen und viele Fußwege. Große Bäume und kleine Läden. In Princeton geht es beschaulich zu. Das Bendheim Center for Finance sitzt in einer alten, gemütlichen Villa, und der Raum, in dem Markus Brunnermeier über Risikopräferenzen und Nutzentheorie liest, ist mit Kamin und Wappen verziert.

30 Studenten sitzen auf roten, gepolsterten Stühlen. Der Professor trägt ein offenes Hemd und erklärt die komplizierten Formeln an der Tafel mit so einfachen Worten, dass tatsächlich alle zuhören. Mal streut er einen Scherz ein, mal lässt er die Studenten abstimmen, ob ein Axiom zutrifft. Die Atmosphäre ist entspannt und konzentriert, und Brunnermeier kann es sich erlauben, auch mal eine halbe Minute über eine Frage nachzudenken, ohne dass es unruhig wird.

Nur eine Zugstunde von der heilen akademischen Welt Princetons entfernt, an der Wall Street, kämpft das globale Finanzsystem ums Überleben. Brunnermeier hat das Geschehen mit der Faszination des Wissenschaftlers verfolgt, dessen Theorien sich unversehens in Praxis verwandeln. Hat er nicht seit Jahren die Theorie der effizienten Finanzmärkte angezweifelt und argumentiert, dass die Preise eben nicht sämtliche Informationen enthalten? Hat er nicht, wenige Monate bevor eine Bank nach der anderen ins Trudeln geriet, den verheerenden Sog von Liquiditätsspiralen beschrieben?

Brunnermeier ist höflich und zurückhaltend, aber er muss doch zugeben, dass „meine Meinung zurzeit ziemlich gefragt ist“. Als Berater der New Yorker Federal Reserve Bank zum Beispiel. Über die Diskussionen, die dort hinter den Kulissen ablaufen, darf er leider nichts erzählen.

Mit seiner Meinung über die Gründe der Krise hält er nicht hinter dem Berg: „Jede Spekulationsblase beginnt mit einer Innovation.“ Diesmal seien es die neuen strukturierten Finanzprodukte gewesen, die die Weitergabe von Risiken erleichterten und diese zugleich verschleierten. Jetzt, nach dem Platzen der Blase, komme es darauf an, die Unterkapitalisierung der Banken zu beseitigen. Noch mehr interessiert ihn, wie sich solche Katastrophen vermeiden lassen.

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