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Forschungsinstitut statt Radrennstall

Es war 1998, kurz nach der Privatisierung. Der Vorstandsvorsitzende der neu gegründeten Deutschen Post AG, einer der größten Arbeitgeber Deutschlands, wusste dass er in den kommenden Jahren Zehntausende Mitarbeiter würde entlassen müssen. Und das in einem Arbeitsmarkt, der nur einen Bruchteil von ihnen aufnehmen konnte. Da klopfte Klaus Zumwinkel bei Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Bonn an. Er wolle ein eigenes Arbeitsmarktinstitut an den Start bringen, eröffnete Zumwinkel den Ökonomen.

BONN. „Natürlich wollten wir wissen, warum die Post so etwas fördert“, erinnert sich Urs Schweizer, heute Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik an der Bonner Universität. „Da hat Klaus Zumwinkel einfach gesagt: Die Post sponsert eben keine Radrennfahrer, sondern die Wissenschaft.“ Man wurde sich einig: Die Bonner schlugen den Münchener Ökonomen Klaus Zimmermann als Leiter des neuen „Instituts zur Zukunft der Arbeit“ (IZA) vor. Zumwinkel sagte zu, die Universität künftig nach Kräften zu unterstützen.

Inzwischen gilt das von Zimmermann geleitete IZA als eins der renommiertesten Arbeitsmarkt-Institute der Welt. Die Handelsblatt-Studie zum Publikationsoutput der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (Handelsblatt vom 20. Februar 2006) zeigte: Die Einrichtung ist eine der produktivsten ökonomischen Denkfabriken des Landes. 15 Wissenschaftler aus Deutschland, den USA, Frankreich, Griechenland und China erforschen in Bonn die empirischen und theoretischen Grundlagen des Arbeitsmarkts – zudem hat das Institut 570 Wissenschaftler in aller Welt als „Research Fellows“ an sich gebunden.

Nach wie vor sorgt die Deutsche Post Stiftung mit ihrem Geld dafür, dass das IZA weitgehend unabhängig von Auftragsforschung und Fördermitteln arbeiten kann. Die Stiftung trägt auch einen wesentlichen Teil des Budgets für das Doktorandenprogramm der Bonner Volkswirte, die „Bonn Graduate School of Economics“, die Urs Schweizer leitet. Über die genaue Höhe der Förderung schweigen sich die Beteiligten aus.

Kein anderes Wirtschaftsforschungsinstitut in Deutschland hängt so ausschließlich von einem einzigen privaten Geldgeber ab wie das IZA – als Tochterunternehmen der Deutschen Post-Stiftung ist es praktisch die einzige konzerneigene Denkfabrik der Republik.

Andere wirtschaftswissenschaftliche Einrichtungen finanzieren sich – wenn überhaupt – nur teilweise mit privaten Geldern: So fördert die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die Essener „Ruhr Graduate School in Economics“. Mehrere Großbanken unterstützen die Frankfurter Hochschule für Bankwirtschaft. Und das Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI hält sich mit Geldern aus der Hamburger Wirtschaft über Wasser, seitdem es aus der gemeinsamen Bund-Länder-Förderung gefallen ist.

Post-Chef Klaus Zumwinkel, der einst in Münster Wirtschaftswissenschaften studierte, betont gern, dass das Engagement des Ex-Monopolisten für ökonomische Grundlagenforschung und Arbeitsmarkttheorie vor allem sein persönliches Anliegen sei: „Deutschland ist für uns nach wie vor ein wichtiger Standort. Die Lösung der Arbeitsmarktprobleme leistet einen Beitrag zum Wohlergehen unseres Landes.“ Zumwinkel, in Personalunion Präsident des IZA, legt Wert auf die „parteipolitische und ideologische Neutralität“ des Instituts: „Es bestimmt seine Forschungsansätze und Themen völlig unabhängig.“

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